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Schreibabys – wie war das eigentlich früher?

Maik Schwede

Gab es eigentlich früher schon Schreibabys? Hatten unsere Mütter und Großmütter dieselben Probleme wie wir? Ja, das hatten sie vermutlich schon. Aber schätzungsweise ist man damals damit einfach anders umgegangen.

Schließlich gab es den Begriff Burnout, unter dem heutzutage so viele Menschen leiden, vor ein paar Jahrzehnten auch noch nicht. Das soll natürlich nicht heißen, dass die Menschen damals nicht vermutlich auch schon gestresst waren – schon klar. Nur heute hat das Kind eben einen Namen.

Auf jeden Fall war das Zusammenleben zwischen Baby und Mutter auch vor ein paar Jahrzehnten noch ein ganz anderes. Damals hat man Babys einfach bekommen. Heutzutage wird die Sache mit dem Nachwuchs doch eher bis ins Detail geplant. Und dann sollte bitte alles wie am Schnürchen laufen. Es soll jetzt kein Affront sein, aber Oma hat sich vermutlich um viel weniger Dinge „einen Kopf“ gemacht als wir das heute tun. Wenn Baby geschrien hat, dann war das halt so. Was absolut nicht heißen soll, dass Ihr Euer Baby schreien lassen sollt! Aber generell wuchsen Babys vor ein paar Jahrzehnten einfach anders auf als heute.

"Früher wurde gesagt, das Schreien die Lungen stärkt und man hat die Babys einfach schreien lassen, ALLEINE!!!. Damals waren die Erkenntnisse und das wissen um die Folgen des schreien lassens nicht bekannt!"

Hier gibt es 28 Tipps wie Du Dein Schreibaby beruhigen kannst

Großvater trägt Jungen auf dem Arm

Und natürlich gab es auch damals schon Babys, die mehr und andere, die weniger geschrien haben. Aber durch die damals noch bestehenden Großfamilien kümmerte sich immer irgendjemand um den Nachwuchs, wohingegen heute in der Regel alles an den Eltern, oder genauer gesagt meistens sogar ausschließlich an der Mutter hängenbleibt.

Babys schreien lassen – warum das früher so üblich war 

Wer heute sein Baby schreien lässt, gilt als herzlos und rigoros. Zwar mag es noch die einen oder anderen Großeltern geben, die glauben, sich hier einmischen zu müssen und zweifelhafte Tipps abgeben wie „Lass es doch auch mal schreien. Das kräftig die Lungen! Wenn du bei jedem Mucks zu deinem Baby rennst, verwöhnst du es doch nur. Ein bisschen schreien lassen kann nicht schaden. 

Dennoch sind die Zeiten des Schreienlassens endgültig vorbei - Gott sein Dank!   

Heutzutage weiß man es nämlich besser. Wenn man das Baby schreien lässt, kann es zu seinen Eltern kein Urvertrauen entwickeln. Wie sollte es das auch, wenn es in den Minuten des größten Kummers einfach alleine gelassen wird? Es empfängt dabei als Signale seiner Eltern nur Folgendes: Du bist mir nicht wirklich wichtig. Wenn du eine Sorge oder einen Schmerz hast, sieh zu, dass du alleine damit fertig wirst. Dabei ist es so wichtig, dass gerade die kleinsten Erdenbürger Geborgenheit und viel Liebe zu spüren bekommen. Und wissen, dass da immer jemand da ist, der sich um sie kümmert, um sie sorgt und dies auch ernst nimmt. Lässt du das Baby schreien, fängt es an, an sich zu zweifeln und fühlt sich schlichtweg nicht wichtig und natürlich auch nicht geliebt. Ein fataler Fehler also!  

Schließlich wollen wir alle unser Kind zu selbstbewussten Erwachsenen erziehen. Und dass Babys unendlich viel Liebe brauchen, weil dieschlichtweg ein Grundbedürfnis ist, sollte ohnehin klar sein.  

Die geprügelte Generation 

Die Zeiten waren noch vor einem halben Jahrhundert ganz anders als heute. Prügelstrafen waren gang und be, sogar in der Schule war es den Lehren erlaubt, die Schüler bei Bedarf zu schlagenDie körperliche Züchtigung war ein absolut legitimes Mittel zur Erziehung des ungehorsamen Nachwuchses. Wir können allerdings alle miteinander froh sein, dass diese Zeiten ein für alle Mal vorbei sind. Denn heute weiß man es besser: Schläge sind für das Kind demütigend und nehmen ihm ein Stück seiner WürdeKinder, die geschlagen wurden, schlagen oftmals wiederum ihre Kinder, weil man es ihnen so vorgelebt hat. Und ganz ähnlich ist es mit dem schreien lassen. Klar, die Eltern damals wussten es nicht besser, sie machten auch nur das, was ihnen wiederum von ihren Eltern vorgelebt wurde.  

Immerhin gab es zu dieser Zeit auch noch diverse Erziehungsratgeber, die es empfehlen, mit dem Baby nicht zu zimperlich umzugehen, kein Mitleid mit ihm zu haben, wenn es schreit und natürlich es auch mit dem Körperkontakt bloß nicht zu übertreiben.  

Dennoch: die Zeiten änderten sich. Die Wende kam dann Ende der 60-er Jahre, als die antiautoritäre Erziehung Einzug hielt. 

Zeitgleich wurde auch das Baby Tragetuch populär – zumindest in Amerika, nach Deutschland kam das Tuch dann erst ein wenig später. Zahlreichen Eltern wurde nämlich klar, dass ihre Babys deutlich ruhigere Zeitgenossen sind, wenn sie am Körper umher getragen werden. Und das ist schließlich nicht grundlos so – die Natur hat es nämlich so vorgesehen, dass wir Menschengenau wie auch die Affen, unseren Nachwuchs am Körper tragen. In vielen anderen Ländern der Welt ist dies eine Selbstverständlichkeit, hier in der westlichen Welt jedoch ticken die Uhren etwas anders.  

Erziehungsspagat zwischen streng und antiautoritär 

Klar war früher vieles anders. Aber deswegen eben auch nicht unbedingt besser. Keiner sagt, dass du deinem Kind alles durchgehen lassen oder es womöglich antiautoritär erziehen sollst. Der goldene Mittelweg ist vermutlich das Richtige. Aber ganz davon abgesehen kannst du ein kleines Baby auch noch gar nicht „erziehen“. Es hat seine Bedürfnisse wie essen, schlafen und körperliche Nähe zu den Eltern. Und es hat nur eine Möglichkeit, darauf aufmerksam zu machen, wenn der Schuh drückt: Es kann schreien - mehr nicht.  

Also sollte man doch davon ausgehen, dass dein Baby, wenn es denn schreit, dies ganz sicher nicht tut, um dich zu ärgernsondern vielmehr um dir zu zeigen, dass es von irgendetwas geplagt wird. Und in dem Moment braucht es einfach seine Eltern - auch dann, wenn diese vielleicht gar nicht wissen, was konkret das Problem ist. Aber die Hauptsache ist doch: ihr seid da, haltet es fest, sprecht mit ihm und hört ihm zu. So fühlt es sich in seinem Kummer zumindest nicht alleine gelassen. 

Mal ganz davon abgesehen ist es für Mütter ein ganz natürlicher Reflex, auf das Schreien ihres Babys zu reagieren und es nicht etwa zu ignorieren. Immerhin hat sich die Natur etwas dabei gedacht. Babys, die schreien, brauchen Hilfe und machen so auf sich aufmerksam. Dass die Mutter – oder natürlich auch der Vater - dies nicht einfach großzügig überhört, sondern schnell darauf reagiert, ist eigentlich die normalste Sache der Welt.  

Wenn du also ein Schreibaby hast, solltest du alle erdenkliche Hilfe annehmen, die sich dir bietet! Es muss dir nicht peinlich sein – im Gegenteil. Und deinem Kind wird es vermutlich auch gut tun, vor allem dann, wenn du mit den Nerven am Ende bist und kurz davor stehst, es anzuschreien oder, noch schlimmer, zu schütteln. Falls also Oma, Opa oder Freundin greifbar sind – und wenn es nur für einen Stunde ist – dann lass dir das nicht zweimal sagen. Nimm das Angebot an! Es tut euch beiden gut.

Wie geht es Dir? Kümmerst Du dich fast nur alleine um dein Baby oder hast Du Unterstützung aus Deiner Familie?

Herzlichst
Maik Schwede

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