Geburtstrauma: Belastung für Mutter und Kind

Die Geburt des eigenen Kindes ist ein absoluter Ausnahmezustand in der Schwebe zwischen Hoffen und Bangen, Schmerz und Glück und sogar Leben und Tod. Ohne zu übertreiben kann man sagen, dass es ein transformatorischer Akt ist. Das Leben der Eltern, und insbesondere der Mutter, wird nie wieder so sein wie es war, bevor das Leben ihres Kindes begann. In solch einem existentiellen Extrem kann auch viel schiefgehen. Und wenn das geschieht, können die Wunden aufgrund der absoluten Verwundbarkeit besonders tief gehen. Ein Geburtstrauma ist eine ernste Sache – unheilbar es jedoch nicht.

Zwischen Geburtstrauma und Bindung 

Viele Mütter erleben eine absolut harmonische und wundervolle Schwangerschaft. Die Geburt des eigenen Kindes ist der krönende Abschluss. Zugleich markiert sie den Übergang in einen neuen, aufregenden Lebensabschnitt.

Bei aller Vorfreude ist vielen werdenden Müttern klar, dass eine Geburt nicht immer einfach wird und manchmal einen wahrer Kraftakt darstellt. Doch was passiert eigentlich, wenn Mütter sich nach der Geburt des Babys innerlich wie erstarrt fühlen, sich total alleingelassen vorkommen oder das Gefühl haben, während der Geburt ignoriert worden zu sein? Was, wenn ein Eingriff (z. B. Dammschnitt) vorgenommen wird, ohne vorher das Einverständnis einzuholen, weil alles sehr schnell gehen muss?

Es kann auch durchaus sein, dass dein Baby die eigene Geburt als traumatisch empfunden hat. Bei jedem von uns wurde die Geburt ganz tief im Unterbewusstsein abgespeichert. Und das gilt natürlich insbesondere für traumatische Erfahrungen. Zum Glück sind wir als Menschen mit  fantastischen Selbstheilungskräften ausgestattet und weil das Bewusstsein sich erst noch formt, haben sich Traumata noch nicht allzu tief eingegraben. Daher wird es deinem kleinen Schatz mit dir als sicherem Hafen und Bindungsperson mit der Zeit gut gelingen, diese Ereignis zu verarbeiten und zu heilen. Dennoch ist es möglich, dass dein Baby den erlebten Schmerz durch langanhaltendes Schreien als sein einziges Kommunikationsmittel immer und immer wieder mitteilen möchte.

Und das Kind ist bei der Geburt enormen Kräften ausgesetzt. Das geht so weit, dass die Schädelplatten in dem Alter noch nicht fest verwachsen sind, um zu ermöglichen, dass sich das große Köpfchen beim Pressen durch den engen Kanal verformen kann. Der  österreichische Psychoanalytiker Otto Renk, übrigens ein enger Vertrauter Sigmund Freuds, nannte die Geburt ein „überwältigendes Angsterlebnis“ für den Fötus und vertrat die These, dass jeder einzelne Mensch durch seine Geburt traumatisiert sei.

Dennoch ist nicht jedes Kind ein Schreibaby und meistens scheint die Geburt gut verarbeitet zu werden. Selbst wenn verstärkende Komplikationen wie ein Kaiserschnitt oder gar eine Zangengeburt hinzukommen, hängt es von vielen verschiedenen Faktoren ab, ob es zu einer Traumatisierung kommt, wie schwer diese ausfällt und wie gut es gelingt, sie aufzulösen.

Geburtstrauma – Verletzung der Seele

Viele Frauen wissen gar nicht, dass eine traumatische Geburt später Auslöser für verschiedenste Krankheiten sein kann. Der Begriff „Trauma“ stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet „Wunde“, und während er in der Medizin auch für physische Verletzungen verwendet wird, steht er im allgemeine Sprachgebrauch vor allem für seelische Wunden. Wenn du eine traumatisierende Geburt erlebt hast, kann sich das später in Form verschiedenster Symptome äußern, z. B. Flashbacks (z. B. wenn dein Baby exzessiv schreit), Erinnerungsfetzen, Gedanken, Bilder, Worte, die plötzlich in deinem Kopf aufblitzen oder wenn du oft und scheinbar grundlos viel weinst. All dies sind Versuche deiner Psyche, das Erlebte zu verarbeiten. Sie wurde vermutlich erheblich verletzt und braucht Zeit zum Heilen, bevor du wieder so stabil und belastbar bist wie vor der Geburt. Diese Zeit solltest du dir geben. Es kommt auch häufig vor, dass Betroffene sich schuldig fühlen, weil seelische Leiden leider immer noch den Beigeschmack eines persönlichen Versagens haben. Mache dir immer wieder bewusst: Du hast keine Schuld. Im Grunde hast du genauso wenig Grund, dich zu verurteilen, wie bei einer körperlichen Verletzung, die dich eine Zeit lang beeinträchtigt.

Wie bleibe ich in Verbindung mit meinem Schreibaby?

Nach einer besonders schweren und belastenden Geburt reichen unsere Selbstheilungskräfte möglicherweise nicht aus. Wenn du auch drei Monate später noch Symptome hast, die sich nicht bessern oder sogar schlimmer werden, solltest du professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Das gilt natürlich insbesondere, wenn du bemerkst, dass du deinen Alltag nicht mehr bewältigen kannst.

Dieses wichtige Thema ist auch Gegenstand einer Doppelfolge von Vollzeit Müde – Der Elternpodcast von swing2sleep mit dem Titel „Wie du es schaffst nach einer schwierigen Geburt in Verbindung mit deinem exzessiv schreienden Baby zu bleiben“. In den beiden Teilen dieser Folge hat unsere Anika die Pränatal-Psychologin Anabel zu Gast. Anabel begleitet Frauen nicht nur während und nach der Geburt, sondern unterstützt die werdenden Mütter auch schon während der Schwangerschaft dabei, die Bindung zu ihrem ungeborenen Baby zu stärken. Nach traumatischen Geburten ist sie zur Stelle, um frühzeitig zu intervenieren und das Bindungssystem zwischen Mutter und Kind rechtzeitig zu stabilisieren. Dabei kommen unter anderem auch die körpertherapeutischen Techniken der Emotionellen Ersten Hilfe zur Anwendung. Anabel betätigt sich zudem als Doula und begleitet werdende Mütter während der Geburt mit Hypnobirthing und FlowBirthing. Zusammen mit ihrem Mann Swen betreibt Anabel das Zentrum für Geburtspsychologie. Außerdem findest du Anabel auf Facebook, Intagram und Youtube. Im Jahre 2020 veröffentlichte Anabel ihr erstes Buch "TRAUMgeburt nach TRAUMAgeburt: Wieder schwanger: integrieren, heilen, vorbereiten".

Podcast Vollzeit Müde

In dieser Podcastfolge erfährst du außerdem noch ganz konkret, wie du die Bauchatmung erlernst und für dich nutzen kannst. Zusätzlich hat Anabel tolle Tipps für dich, wie du bei exzessiven Schreiphasen deines Babys den Fokus auf dich selbst nicht verlierst, denn dadurch ginge auch die Verbindung zu deinem Baby verloren.

Bauchatmung zur Selbstanbindung

Die Bauchatmung ist ein wichtiges und mächtiges Selbstheilungs-Tool, das du ausgezeichnet zum Beruhigen deines vegetativen Nervensystems verwenden kannst.

Echte Nähe zu deinem Kind ist nämlich nur dann wirklich möglich, wenn du auch eine innere Verbindung zum eigenen Körper hast. Lang anhaltendes Schreien deines Babys oder auch das Erleben einer traumatischen Geburt aktiviert den Sympathikus. Das ist der Teil unseres vegetativen Nervensystems, der für Stressreaktionen wie erhöhten Herzschlag und die Ausschüttung von Adrenalin zuständig ist. Dadurch kommen wir komplett ins Außen und nicht in die Selbstanbindung.

Wenn du dein Baby auf dem Arm hast und dein Sympathikus aktiviert ist, kannst du auf dem Pezzi-Ball hüpfen, solange du willst. Deine Atmung ist trotzdem flach, deine Muskeln weiter angespannt und deine Stresshormon-Ausschüttung läuft auf Hochtouren. Dadurch kann es in der Tiefe weder bei deinem Baby noch bei dir zu einer Umstellung der neurovegetativen Regulation kommen. Übersetzt heißt das: Entspannung kannst du vergessen.

Die Bauchatmung setzen wir unbewusst ein, wenn wir entspannt sind. Aber umgekehrt können wir durch diese Atmung auch einen entspannten Zustand herstellen, insbesondere, wenn wir sie bewusst einsetzen.

Atme bewusst, und spüre in dich hinein. Werde dir deines Körpers gewahr. Das alleine kann schon reichen, um dich zu erden und die Verbindung zu dir selbst herzustellen. Mit ein bisschen Übung gelingt dir das dann immer besser, und dann kannst du diese Atmung auch immer mehr in deinen Baby-Alltag integrieren.

Die swing2sleep sorgt auch bei Mama für Entspannung

Eine weitere große Hilfe kann unsere swing2sleep Federwiege beitragen. Viele Babys fühlen sich in der Wiege durch das rhythmische Schaukeln und die kuschelige Enge sofort in die Zeit der Schwangerschaft zurückversetzt. Das vermittelt ihnen eine Geborgenheit, in der sie leicht entspannen können. Und wenn das Kind friedlich schläft, kannst du die Zeit für dich selbst nutzen. Vielleicht machst du ein paar Entspannungsübungen oder übst die Bauchatmung weiter. So sorgst du auch bei dir für mehr Wohlbefinden, steigerst deine Resilienz und trägst zur Heilung deiner seelischen Wunden bei. Gerade bei einem Schreibaby sind solche Momente der Stille besonders wertvoll, daher nutze sie weise, um das Trauma allmählich hinter dir zu lassen und Kraft zu schöpfen, sodass du voll für deinen kleinen Sonnenschein da sein kannst.

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Fazit

Angesichts der Extremsituation einer Geburt kann es bei Mutter oder Kind zu einem Trauma kommen. In den meisten Fällen verarbeitet eure Psyche dies mit ihren eigenen Selbstheilungskräften. In ganz schweren Fällen gibt es professionelle Hilfe, die euch zur Seite stehen kann. Doch auch der Bereich zwischen ganz mild und ganz schlimm ist kein Niemandsland. Mit Techniken wie der Bauchatmung und Hilfsmitteln wie der swing2sleep steht euch ein breites Portfolio an Werkzeugen zur Verfügung, um diese Krise gemeinsam zu meistern und eure Bindung zu stärken. Das Sprichwort sagt: Was dich nicht zerbricht, macht dich stärker. Und zerbrechen werden du und dein Kind daran ganz sicher nicht.

 

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