Babys sind Traglinge

Manche Eltern sind unsicher, ob sie ihr Baby zu viel oder zu wenig tragen. Tatsächlich kann man ein Baby kaum zu viel tragen, sei es auf dem Arm, im Tuch oder einer Trage. Euer Baby wird davon profitieren, weil ihr damit ein wichtiges Grundbedürfnis des Kindes erfüllt. Der Grund dafür liegt weit zurück in der menschlichen Frühgeschichte.

Mutter trägt Baby  

Traglinge brauchen Körpernähe 

Schon im Mutterleib wurde das Baby nahezu permanent geschaukelt und war ständig im engsten Kontakt mit der Mutter. Daher ist es auch nach der Geburt noch ein wichtiges Bedürfnis. Das hat Folgen: Babys, die getragen werden und viel Hautkontakt mit Mama oder Papa genießen dürfen, schlafen besser, entwickeln sich altersgemäß und sind insgesamt oft ruhiger und zufriedener.

Es gibt aber noch eine weitere Erklärung. Machen wir hierfür einen kurzen Ausflug ins Tierreich. Säugetiere und Vögel wurden früher generell in zwei Gruppen eingeteilt: Nesthocker und Nestflüchter. Bei genauerer Betrachtung wird schnell klar, dass Menschenbabys weder in die eine noch in die andere Gruppe zu passen scheinen. Das liegt daran, dass unsere Spezies aus biologischer Sicht in eine weitere Kategorie gehört, die erst in den 1970er Jahren eingeführt wurde: Traglinge.

Menschenbabys sind Traglinge

Baby wird im Korb getragen

Wir teilen uns diese Kategorie mit anderen Säugetieren wie Affen, Koalabären und Kängurus. Traglinge verbringen die erste Zeit ihres Lebens eng an die Mutter (oder den Vater) geschmiegt. So geschützt beginnen sie die Umwelt wahrzunehmen, während sich ihre Körperfunktionen und Fähigkeiten langsam entwickeln. Je mehr das geschieht, desto häufiger wird der Tragling den Körper des Elternteils verlassen. Genau genommen kommen Traglinge zu früh zur Welt. Sie sind bei der Geburt noch nicht in der Lage, alleine zu gehen, und viele mentalen Funktionen oder körperlichen Fähigkeiten sind noch nicht entwickelt. Daher verbringen sie die erste Zeit entweder im Beutel oder zumindest eng an die Mutter geschmiegt. Im Säuglingsalter ist das Kind dafür etwa mit dem Klammerreflex ausgestattet. Hebt man das Baby an, macht sich ein weiterer Reflex bemerkbar, bei dem das Baby automatisch die sogenannte Anhock-Spreiz-Haltung einnimmt – eine optimale Traghaltung.

Vorteile des Tragens im Tragetuch oder einer Tragehilfe

Gerade wenn ihr ein Schreibaby habt, bringt das Tragen in einem Tragetuch oder einer Tragehilfe euch und eurem Baby große Erleichterung. Euer Baby wird durch das Tragen sofort wieder in seine bekannte Welt zurückversetzt. Es ist eng an Mama oder Papa geschmiegt und wird dabei gehalten und geschaukelt, während es eure Körperwärme spürt und euren beruhigenden Herzschlag hört. Gerade Schreibabys sollten zudem vor zu vielen Sinneseindrücken abgeschirmt werden. So fühlt es sich wieder ganz zu Hause. Außerdem findet eine wichtige unterschwellige Kommunikation zwischen euch und eurem Baby statt.

Das sanfte Hin- und Herschaukeln stimuliert das Gleichgewichtsorgan mit einer Vielzahl an positiven Effekten für die frühkindliche Entwicklung. Es unterstützt räumliche Orientierung, kognitive Fähigkeiten und die Motorik. Kurz gesagt hat Schaukeln eine positive Wirkung auf die gesamte kindliche Physiologie und mentale Entwicklung.  

Babys, die viel getragen werden, zeigen zudem nicht nur ein schnelleres Wachstum, sondern auch eine stabilere Atmung und stabilere Herzfrequenzen. Sie schreien weniger und schlafen besser. Babys, die den Atem des Erwachsenen hören, werden gewissermaßen daran erinnert, selbst zu atmen. Das funktioniert sogar dann, wenn das Baby neben einen Teddybär gelegt wird, der einen Atemzyklus simuliert, wobei kein Teddy jemals Mama oder Papa ersetzen könnte.

Das Tragen in einem Tuch bietet allerdings noch zahlreiche weitere Vorteile, zum Beispiel:

  • Förderung einer engen Bindung
  • Beruhigung bei Koliken oder Ängsten
  • freie Hände
  • nahezu uneingeschränkte Bewegungsfreiheit
  • getragene Kinder schreien deutlich weniger
  • Stärkung der elterlichen Feinfühligkeit
  • Tragen in der Anhock-Spreiz-Haltung beugt nachweislich Hüftdysplasie vor
  • Stärkung des Urvertrauens
  • direkte Interaktion des Kindes mit euch durch Blick- oder Handkontakt
  • das Kind kann Aufmerksamkeits- und Ruhephasen selbst steuern

Tragen senkt das SIDS-Risiko 

Die Ursachen für den Plötzlichen Säuglingstod (Sudden Infant Death Syndrome, SIDS) sind bis heute nicht vollständig geklärt, doch es gibt Studien, die Rückschlüsse zulassen. Meistens tritt der Plötzliche Säuglingstod nachts auf. Wenn das Baby auf dem Bauch liegt oder sein Gesicht von irgendetwas verdeckt wird, kann sich zwischen dem Gesicht und der Matratze bzw. Abdeckung das ausgeatmete Kohlendioxid ansammeln. Vieles deutet darauf hin, dass betroffene Kinder unter einer Störung der Atmungskontrolle leiden, die durch eine Art neurologische Unreife hervorgerufen wird. Sprich: Die zuständige Region im Stammhirn ist noch nicht so weit entwickelt, dass der Körper den Anstieg von CO2 erkennen könnte. Nach der Geburt dauert es zwischen sechs Monaten und einem Jahr, bis die zuständigen Rezeptoren vollständig ausgereift sind. Kinder, deren Gehirn schon weiter entwickelt ist, wachen also auf, wohingegen die anderen ersticken. Eine weitere mögliche Ursache besteht in einem Abfall des Blutdrucks im Schlaf. Auch hier kann eine Unterentwicklung des neurologischen Systems dazu führen, dass die Sauerstoffzufuhr nicht aufrechterhalten werden kann. Das Ergebnis ist dasselbe. 

In beiden Fällen liegt die Ursache also in einer noch nicht weit genug vorangeschrittenen Entwicklung der entsprechenden Hirnregionen. Da Tragen die neurologische Entwicklung fördert, wirkt es dem Plötzlichen Kindstod entgegen. 

Tragen, aber richtig

Achtet beim Tragen darauf, dass ihr das Baby stets mit dem Gesicht zu euch tragt, also Bauch an Bauch oder, wenn ihr es später auf dem Rücken tragt, Babybauch an Elternrücken. Es gibt immer noch Hersteller von Tragehilfen, die etwas anderes erzählen, und auch in Filmen wird es immer wieder anders gezeigt. Lasst euch nicht beirren. Mit dem Gesicht zu euch hat das Kind immer die Möglichkeit, sich bei Bedarf zurückzuziehen und zu kuscheln. Außerdem ist Blickkontakt enorm wichtig.

Wenn euer Kind die Umgebung sehen will, bindet das Tragetuch oder die Tragehilfe einfach so, dass das Köpfchen frei ist und sich bewegen kann. Größere Kinder könnt ihr auch auf dem Rücken oder der Hüfte tragen. Gerade vom Rücken aus hat es nämlich einen wunderbaren Rundumblick.

Mutter trägt Baby im Tragetuch

Neben dem Blickkontakt und der Rückzugsmöglichkeit gibt es aber noch eine Fülle von weiteren Gründen, warum es keine gute Idee ist, das Kind mit abgewandtem Gesicht zu tragen. Im Folgenden haben wir euch ein paar davon zusammengetragen:

  • Das Baby kann die Anhock-Spreiz-Haltung nicht einnehmen. Wenn es mit dem Gesicht zu euch im Tuch sitzt, ist der Po der tiefste Punkt. Die Knie hingegen befinden sich auf Bauchnabelhöhe („M-Position“). Wenn ihr euer Baby mit dem Gesicht nach vorne tragt, baumeln die Beine nach unten und die Oberschenkel  werden nicht abgestützt. Diese Haltung ist weder ergonomisch noch bequem – das Gewicht eures Babys lastet dabei auf seinem Genitalbereich! Außerdem haben Babys einen Rundrücken, der mit dem Tuch oder der Trage sanft unterstützt werden sollte. Geht der Blick nach vorne, bekommt das Baby ein Hohlkreuz, und das ist ganz schlecht für den Rücken! 
  • Das Kind ist möglicherweise zu vielen Reizen ausgesetzt. Das Resultat wäre genau das Gegenteil von dem, was ihr eigentlich erreichen wollt. Auch wenn das Kind beim Tragen etwas erleben möchte, sollte es mit dem Gesicht zum Tragenden gehalten werden, um sich bei Bedarf zurückziehen zu können. Ansonsten droht eine Reizüberflutung, der es sich nicht entziehen kann. 
  • Sollte das Baby einschlafen, hängt sein Kopf lose herunter, weil es ihn nirgendwo abstützen kann. Mit dem Gesicht zu euch ruht der Kopf ganz einfach an eurer Brust. 
  • Wenn du jemanden triffst und dich mit ihm unterhältst, kommt der andere dem Baby möglicherweise ungewollt zu nahe. Wir alle – auch Babys – haben einen Wohlfühl-Abstand, den wir anderen gegenüber normalerweise einhalten. Wenn Fremde in seine Sicherheitszone eindringen, fühlt sich das Baby sehr wahrscheinlich bedrängt, kann aber nirgendwo hin.

Die richtige Tragehilfe

Baby im Reiserucksack

Der Markt ist voll mit verschiedenen Tragehilfen, von elastischen Tüchern über Ring Slings und Mei Tais bis hin zu luxuriösen Komforttragen. Wir erklären euch, worauf ihr bei der Wahl einer Tragehilfe achten solltet.

Babytrage

Der wichtigste Punkt bei der Auswahl einer Babytrage ist selbstverständlich, dass sie auch für das Baby unbedenklich sein muss. Haltungs- oder Rückenschäden müssen also auch bei längerem Tragen komplett auszuschließen sein. Außerdem soll sie die Entwicklung des Babys unterstützen und zudem natürlich für Baby und Träger bequem sein. Denn auch die Eltern sollen durch das Herumtragen ihres Lieblings natürlich keinen Schaden nehmen.. 

Aus ergonomischen Gesichtspunkten sollte die Trage dementsprechend über einen breiten Hüftgurt verfügen, der das Gewicht des Babys möglichst gleichmäßig zwischen Schultern und Hüfte verteilt Das Prinzip ist dasselbe wie bei einem guten Outdoor- oder Wanderrucksack.

Vater trägt Kleinkind auf dem Rücken

Ein weiteres Plus sind weiche und gut gepolsterte Schultergurte. Alle Gurte sollten sich individuell einstellen lassen.

Tragetuch

Ein Tragetuch ist gerade für die erste Zeit, wenn das Baby noch klein ist, eine gute Wahl Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um ein elastisches Tuch, ein klassisch gewebtes oder um einen „Ring Sling“ handelt. Letzterer lässt sich auch prima auf der Hüfte tragen.

Achtet beim Kauf eines Tragetuchs vor allem auf die Webart. Das Tuch sollte diagonal gewebt sein und somit leicht in beide Richtungen nachgeben. Außerdem sollte der Stoff nicht zu dünn sein und das Tuch weder zu kurz noch zu schmal.

Elastische Tücher eigenen sich wunderbar ab Geburt. Je fester ihr es bindest, desto länger werdet ihr damit Freude haben. In der Trageschule Hamburg  (siehe Video) lernt ihr, wie professionelle Trageberaterinnen elastische Tücher binden. Probiert es aus und erlebt den Unterschied!

Komforttrage

Gerade weil die Bezeichnung hohe Erwartungen weckt, ist beim Kauf einer sogenannten Komforttrage Vorsicht geboten. Viele erhältliche Modelle sind absolut untauglich und werden ihrem Namen in keiner Weise gerecht. Generell gibt es 3 Kriterien, die eine solche Trage erfüllen sollte:

  1. Das Kind muss mit ausreichender Spreizung in der sogenannten Anhock-Spreiz-Haltung sitzen können. Bei vielen Tragehilfen ist das leider nicht der Fall. Der Steg, also die Sitzfläche des Kindes, muss breit genug sein und sich stufenlos an den wachsenden Körper anpassen lassen. In der optimalen Sitzposition befinden sich die Knie des Kindes ungefähr auf Höhe seines Bauchnabels. Dies ist die sogenannte „M-Position“, bei der der Po den tiefsten Punkt bildet. Die Sitzfläche sollte so tief sein, dass der Stoff dem Baby bis zur Kniekehle reicht und ihm, auch wenn es größer geworden ist, nicht in den Oberschenkel oder gar die Geschlechtsteile schneidet. 

  2. Achtet auf die Herstellerangaben. Ab und bis zu welchem Gewicht ist die Babytrage zugelassen?

  3. Der Rücken muss leicht gerundet sein und abgestützt werden, d. h., der Stoff der Trage sollte sich so an den Rücken anschmiegen, dass die runde Form des Babyrückens erhalten bleibt, das Kind aber nicht in sich zusammensackt. Die meisten Tragehilfen erfüllen diese Aufgabe gut, aber es schadet nicht, wenn ihr darauf trotzdem achtet.

  4. Der Kopf muss gerade bei Neugeborenen gut abgestützt werden, sodass er auch dann nicht nach hinten kippt, wenn sich der Träger leicht nach vorne beugt. Hier versagen viele Tragehilfen auf dem Markt. Wenn der Kopf des Babys nicht ausreichend fixiert wird und frei hin und her baumeln kann, solltet ihr euch lieber nach einem anderen Modell umschauen.

      Trotz vieler Ramschmodelle ist die Auswahl qualitativ hochwertiger Produkte aber immer noch groß genug, um auch für euer Kind die richtige Tragehilfe zu finden. Wenn ihr unsicher seid, fragt am besten eure Hebamme oder eine Trageberaterin. Wenn es um die Gesundheit eures Kindes geht, solltet ihr keine Kompromisse eingehen.

      Vorsicht bei Frühchen!

      Auch euer Frühchen könnt ihr tragen, allerdings gibt es da noch einen weiteren wichtigen Faktor zu berücksichtigen, weil das Kind besonders klein ist. Manche Tragen bieten einen integrierten Neugeborenen-Einsatz (weil ein Neugeborenes natürlich noch nicht so weit gespreizt sitzt wie ein 6 Monate altes Kind). Probiert aus, ob das eventuell schon reicht. Andere Hersteller bieten für kleine Babys ein extra Kissen als Sitzverkleinerer oder auch einen sogenannten Bändiger, mit dem sich der Steg verkleinern lässt. Jede Lösung hat ihre Vor- und Nachteile. Auch hier solltet ihr mit euere Hebamme oder einer Trageberaterin sprechen.

      Babys wollen getragen werden

      Keine Sorge, wenn euer Baby sofort zu schreien beginnt, nachdem ihr es abgelegt habt. Weggelegt zu werden bedeutete für Menschenbabys zu Urzeiten schlichtweg eines: Gefahr! Insofern ist es kein Wunder, dass das bei eurem Baby gar nicht gut ankommt und es protestiert. Man nennt das übrigens „Kontaktweinen“. Es ist ein ganz natürlicher Reflex. Wenn euer Baby weint, lasst es nicht einfach schreien, sondern nehmt es hoch. In dem Alter ist es noch nicht möglich, das Kind zu verwöhnen. Allerdings könnt ihr schon jetzt Schäden anrichten, indem ihr seine existentiellen Bedürfnisse ignoriert. Es hat einfach Angst, alleine gelassen zu werden und will in eurer Nähe sein. Wenn ihr nicht reagiert, beschädigt ihr das später enorm wichtige Urvertrauen, für das genau in dieser Phase die Grundlage geschaffen wird.

      Ihr müsst nicht bei jeder kleinen Regung des Kindes sofort hochspringen, aber einen hilflosen Tragling schreien zu lassen, kann die Entwicklung eures Lieblings stark beeinträchtigen.

      Wenn ihr Eltern eines Schreibabys seid, dann ist eure Belastung sogar noch ungleich höher als bei anderen Eltern. Doch gerade bei einem Schreibaby solltet ihr das Kind nicht schreien lassen, auch wenn ihr glaubt, mit den Nerven am Ende zu sein. Stattdessen haben wir ein paar Tipps, wie ihr die Lage etwas beruhigen könnt: 28 Tipps wie Du Dein Schreibaby beruhigen kannst.

      Fazit

      Babys sind Traglinge. Daher hat es auch überhaupt nichts mit Verwöhnen zu tun, wenn ihr es so oft wie möglich tragt. Tatsächlich ist seine Entwicklung sogar darauf ausgerichtet, und entsprechend fördert ihr damit sein Wohlbefinden, seine Gesundheit und eure Bindung. 

      Wenn ihr euch eines Tragetuchs oder einer Tragehilfe bedient, habt ihr außerdem eure Hände frei und könnt viel mehr nebenher erledigen. Dazu kommt, dass eure Baby weniger schreit und besser schläft. Unterm Strich führt das Tragen also zu einer Entlastung auf allen Ebenen, und plötzlich lässt sich der Babyalltag viel einfach bewältigen. Mehr win-win geht nicht.  

      Übrigens

      Nicht nur das Tragen, sondern auch das Schaukeln und Wiegen in der swing2sleep Federwiege gibt eurem Baby ein Gefühl der Vertrautheit und Geborgenheit. Mit ihr sorgt ihr dafür, dass sich euer Baby zu Hause auch dann entspannt und sicher fühlt, wenn ihr es mal nicht tragen könnt. 

      Wenn du still bist, verstehen dich nur die Menschen, die dich fühlen.

      Das Team von swing2sleep wünscht euch eine gelungene und kuschelige Tragezeit.

      swing2sleep die automatische Federwiege

       

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