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Kann man Babys verwöhnen?

Kerstin Schwede

Kann man Babys verwöhnen? Eine Frage, die uns am Telefon oder auch in Foren häufig gestellt wird, auf diese werde ich heute einmal eingehen:

Welche Eltern kennen das Problem nicht? Den Zwiespalt, in dem man steckt, wenn es darum geht, die richtige Balance zu finden zwischen Liebe und Verwöhnen. Liebe geben, das will man seinem Baby ganz selbstverständlich – die meisten neigen sogar dazu, ihren Nachwuchs regelrecht mit Liebe zu überschütten. Und manchmal beschleicht einen dann ein ganz klein wenig die Sorge, ob man es vielleicht doch übertreibt? Wo liegt die Grenze zwischen Liebe und Verwöhnen? Denn mal ehrlich: verwöhnen will man sein Baby ja irgendwie auch nicht.

„Du verwöhnst dein Kind aber ganz schön!“

„Pass bloß auf, dass du es nicht dauernd herum trägst! Und geh nicht immer sofort hin, wenn es schreit! Lass es ruhig auch mal eine Zeit lang schreien – ansonsten bekommst du so ein mega verwöhntes Balg!“ Solche und ähnliche Sprüche müssen sich schließlich die meisten Eltern regelmäßig – oftmals sogar von den eigenen Eltern – anhören.

Das Baby schreit, es wird hoch genommen und – tataaa! – es hört auf zu schreien. Bingo! Genau das ist doch wohl der eindeutige Beweis dafür, dass es schon verwöhnt ist. Es hat euch schon fest im Griff! Es tyrannisiert euch geradezu! Wirklich? Um ehrlich zu sein: weit gefehlt! Es kann also „Entwarnung“ gegeben werden.

Die "Du-verwöhnst-Dein-Baby" Theorie

Warum haben Großeltern und Urgroßeltern eigentlich ständig Angst, das Baby würde zu sehr verwöhnt? Meistens kommt diese Kritik aus der älteren Generation: „Du verwöhnst Dein Baby, wenn es die ganze Zeit herum getragen wird. Oder wenn bei jedem Mucks sofort reagiert wird und Du angerannt kommst“. Dass das gerade junge und frischgebackene Eltern ziemlich verunsichern kann, ist einleuchtend. Aber woher kommt eigentlich diese ständige Sorge darum, dass Ihr Euer Kind verwöhnt?

Generation (Ur-) Großeltern

Unsere (Ur-) Großeltern waren in einer ganz anderen Zeit Eltern. Woher das kommt, ist eigentlich nahe liegend. Als unsere Großeltern Eltern wurden, war es einfach eine ganz andere Zeit. Die oberste Priorität bestand darin, kerngesunde und leistungsfähige, starke Kinder groß zuziehen. Und nicht etwa irgendwelche Schlappschwänze oder Weicheier zu bemuttern! Im dritten Reich sahen die Erziehungsideale nun einmal ganz anders aus. Kinder mussten abgehärtet und auf das spätere Leben vorbereitet werden. Wer zu viele Gefühle zeigte (so die weitläufige Meinung) war verweichlicht und verhätschelten das Kind. Sowohl Jungs als auch Mädchen hatten keinen Grund zu weinen, sie durften keine Angst haben, sondern mussten stark sein. Und last but not least führte dies bekanntermaßen so weit, dass man sich selbst aufgab - als Opfer für das Volk. Genau deswegen wurden Kinder bereits nach ihrer Geburt „erzogen“.

Erziehungsbücher aus der damaligen Zeit

Nachlesen kann man das problemlos in diversen Erziehungsratgebern, die damals gebräuchlich waren. Diese Praxis wurde leider, so kann man heute nur noch sagen, teilweise bis in die 80er Jahre befolgt und umgesetzt. So hieß es zum Beispiel, dass das Kind in den ersten 24 Stunden nach der Geburt möglichst alleine und getrennt von der Mutter in einen separaten Raum gelegt werden muss. Wenn es weinte, sollte es keinesfalls gewiegt, herausgenommen oder gar umher getragen werden. Denn ansonsten, so vermutete man, würde man einen kleinen Tyrannen aus dem Kind machen. Und wer wollte das schon? Stattdessen wurde es in einen separaten Raum geschoben und dieser dann geschlossen. Erst zur nächsten Mahlzeit holte man das Baby wieder heraus. Das gleiche galt in der Nacht. Wenn das Kind schrie, sollten die Eltern sich nicht darum kümmern, schließlich wollte man ja, dass es „so schnell wie möglich durch schläft“. Also war man der Meinung, das Baby wird es schon merken, wenn keiner kommt und sein Geschrei dann auch irgendwann einstellen. Vor allem mussten Babys von Anfang an nachts in einem extra Zimmer -getrennt von ihren Eltern- schlafen. Heutzutage unvorstellbar! Verständlich, dass sich uns heute allein beim Gedanken daran alle Haare sträuben.

Dennoch: Unsere Großeltern wussten es einfach nicht besser. Auch sie wollten letztendlich für ihren Nachwuchs nur das Beste. Die äußeren Umstände sorgten einfach dafür, dass es Eltern damals vorrangig wichtiger war, ihr Baby müsse „funktionieren“ und bloß nicht mit zu viel Liebe überhäuft werden. Zugleich sorgte die Propaganda dafür, dass Eltern damals genau diese Regeln auch einhielten. Was hätten sie auch sonst machen sollen? Schließlich gab es kein Internet, in dem sie hätten recherchieren können oder andere Medien, die sie zur freien Meinungsbildung hätten nutzen können. Auch Hebammen und Kinderärzte schlugen in genau die gleiche Kerbe. Wenn überhaupt Liebe angesagt war, dann nur, um das Kind in irgendeiner Form zu manipulieren. Was kann man von einer Zeit mit ihrem Zeitgeist anderes erwarten, wie es im dritten Reich der Fall war?

Leider wirkt dieses Wissen zumindest manchmal bis heute nach. Ist doch auch verständlich: Wenn eine Gesellschaft etwas jahrelang eingetrichtert bekommen hat, hält die Allgemeinheit dies unweigerlich für das Richtige. Dann kann man es einfach nicht verstehen, wenn die nachfolgende Generation plötzlich angeblich bessere Ideen hervorbringt und alles völlig anders machen will.

Zu viel Tamtam ums Kind

Häufig kommen auch die Argumente, wir würden unsere Kinder „verhätscheln“, und die rüdere Umgangsform der vorigen Generation hätten die Kinder schließlich auch überlebt. So falsch könne es also gar nicht sein. Außerdem hört man nicht selten von Eltern oder Großeltern, dass die Wissenschaft ohnehin alle paar Jahre wieder neue Erkenntnisse liefere und - wer weiß? - in wenigen Jahren wäre dann vielleicht doch wieder „schreien lassen“ angesagt.

Klar stimmt das Argument, wir hätten doch trotzdem überlebt aber kann das allein dazu dienen, die ganze Verhaltensweise zu rechtfertigen? Laut Statistik haben zur damaligen Zeit deutlich weniger Kinder das Kleinkindalter überlebt, als es heute der Fall ist. Das heißt, dass die Todesrate bei kleinen Kindern stark gesunken ist – und das neben medizinischen Neuerungen auch deswegen, weil man sich heute sehr wohl, um viel mehr Dinge Gedanken macht als damals. Außerdem ist das pure Überleben sicherlich kein Argument dafür, dass es sich dabei gleich zwingend um eine „gute Erziehung“ gehandelt hat. Denn schließlich kann doch niemand wollen, dass sein Kind einen psychischen Schaden davon trägt, nur weil man meint, das Baby/ Kind müsse durch Nichtbeachtung abhärten. Oder?

Natürlich ändert sich die Ansicht der Wissenschaft immer mal wieder. Einmal heißt es, Stillen sei das Gesündeste, dann wieder heißt es, es sei vielleicht doch besser, dem Baby nach wenigen Wochen die Flasche zu geben, weil Muttermilch belastet sein könnte. Aber mal ehrlich: Was bleibt einem auch übrig, wenn wir aufgeklärte, mitdenkende Menschen sind, sich auf die aktuellen Kenntnisse der Wissenschaft zu verlassen? Sicherlich ist nicht alles von dem, was die Wissenschaft so feststellt, unzweifelhaft das Richtige. Dennoch kann man davon ausgehen, dass heutige wissenschaftliche Ergebnisse in der Regel fundiert sind. Ein eigener reflektierter Vergleich scheint stets am gesündesten.

Neugeborene verwöhnen?

Ein Baby zu verwöhnen, das ist nämlich eigentlich gar nicht möglich. Babys brauchen in ihren ersten Lebenswochen vor allem eins: Nähe und Liebe! Und zwar am besten unbegrenzt und im Übermaß.

Ihr könnt also aufatmen: Ihr macht, wenn ihr euer Baby herumtragt und auf sein Schreien prompt reagiert, tatsächlich alles richtig. Liebe und Zuneigung – das ist ein wichtiges Grundbedürfnis des kleinen neuen Erdenbürgers und wenn ihr ihm diese entziehen würdet, hätte das gravierende Folgen.

In den ersten Monaten des Babys muss das Urvertrauen zu euch Eltern erst noch ausgebildet werden. Fatal wäre es gerade in dieser Zeit, wenn Baby die Erfahrung machen würde, dass es schreit und kein Mensch darauf reagiert.

"Und, keine Sorge: wenn Baby schreit, weil ihr es weglegt, tut es dies ganz sicher nicht, um euch zu ärgern, sondern es ist ein Reflex, der noch aus der Urzeit stammt."

Man nennt dies „Kontaktweinen“. Das Baby, versteht nämlich, wenn es weggelegt wird, nicht, dass seine Eltern noch ganz in der Nähe sind! Weggelegt werden heißt alleine sein und allen Gefahren, die da lauern, ausgeliefert (zumindest war das früher so). Und deswegen ist dieses Schreien ein ganz normaler Reflex.

Was würde es voraussetzen, wenn ein kleines Baby euch regelrecht schikaniert?

Außerdem: Was würde es voraussetzen, wenn ein kleines Baby euch regelrecht schikaniert? Das würde voraussetzen, dass das Baby genau weiß, womit es euch wann und wie zur Weißglut bringen kann. Es müsste also schon in gewisser Weise zu analytischem Denken fähig sein: „Wenn ich jetzt schreie, ärgert sich Mama. Ich schreie einfach so lange, bis sie mich hoch nimmt. Und dann genieße ich den Triumph. Das klappt immer!“ Ab einem gewissen Alter zugegebenermaßen sind Babys in der Lage, so zu denken. Aber eben ganz sicher noch nicht in den ersten Lebensmonaten. Denn da spürt es einfach nur das Bedürfnis nach Nähe, nach Mamas oder Papas vertrautem Geruch, der Stimme und nach dem beruhigenden geschaukelt werden, was es doch aus Zeiten der Schwangerschaft noch so schön gewohnt ist.

Was bedeutet überhaupt verwöhnen?

Viele Eltern machen vielmehr den Fehler, dass sie ihr Baby tatsächlich verwöhnen – aber erst viel später. Also nicht im ersten Lebensjahr, sondern im Kindergarten, in der Schule… zum Beispiel, indem sie ihm den Ranzen tragen, ihm die Schuhe binden oder die Jacke anziehen, ihm ständig das neueste und tollste Spielzeug kaufen…

Die Frage ist also doch eigentlich, wie man den Begriff „Verwöhnen“ überhaupt definiert.

Da gibt es unterschiedliche Meinungen. Unter anderem die, dass man ein Kind immer dann verwöhnt, wenn man ihm etwas abnimmt, was es schon selber tun kann.

Nach dieser Auffassung ist es also tatsächlich nicht möglich, ein Baby zu verwöhnen. In dem Wissen ist auch die Aufforderung, das Baby doch einfach mal schreien zu lassen, damit es nicht lernt, dass immer, wenn es schreit, jemand kommt und es hoch nimmt, ein wenig paradox. Außerdem ist diese Art von „Erziehung“ ohnehin erst in den letzten Jahrzehnten aufgekommen. Zu viel Liebe in Form von Zuwendung – das ist keine Art der Verwöhnung!

Hinzu kommt, dass man weiß, dass Babys in den ersten 6 Lebensmonaten noch gar nicht unterscheiden können zwischen sich selbst und der Bezugsperson. Sprich, sie fühlen sich unvollständig, wenn sie ganz alleine sind. Und natürlich haben sie auch noch kein Zeitgefühl – woher sollen sie dann wissen, dass eine Trennung nur von kurzer Dauer ist und Mama ohnehin gleich zurückkehrt?

Baby braucht eure Liebe – uneingeschränkt

Es ist zweifelsfrei einfach angebracht, sich auf das eigene Gefühl zu verlassen, denn instinktiv reagieren Eltern, wenn ihr Säugling schreit. Warum das so ist, muss man wohl nicht näher erklären. Unser Beschützerinstinkt sagt uns: Das Baby braucht unsere Hilfe, also müssen wir uns umgehend darum kümmern.

Fazit des Ganzen: Ihr könnt euer Baby in den ersten Lebensmonaten nicht verwöhnen. Ihr dürft und sollt ihm uneingeschränkte Liebe geben, da diese dazu führt, dass Baby die wichtige Erfahrung macht „wenn ich ein Wehweh oder Kummer habe, kümmert sich jemand um mich! Ich bin nicht alleine“.

Diese Erkenntnis führt zu Vertrauen zu euch Eltern und letztendlich auch zu Selbstvertrauen. Nur auf diese Weise kann es zu einem offenen, freundlichen Menschen heranwachsen, und Vertrauen in seine Umgebung und in seine Eltern bekommen.

Ein Kind, welches Vertrauen zu seinen Eltern und vor allem auch zu sich selber hat – das ist doch eigentlich genau das, was sich alle Eltern wünschen, oder?

Viel Spaß beim Verwöhnen wünsch Dir dein Team von swing2sleep.

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