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Aggressionen und Wut: Wenn das Baby ständig schreit

Maik Schwede

Erschöpfung und Schlaflosigkeit - Wenn Eltern wütend werden 

Ihr kennt die Situation sicher zur Genüge: das Baby schreit und schreit…. und schreit und schreit. Seit Stundenseit Tagen, vielleicht sogar seit Wochen. Und alle, wirklich ausnahmslos alle Bemühungen, die ihr unternommen habt, damit es sich beruhigt, sind gescheitert. Weder stillen, noch wickeln, noch umhertragen noch schaukeln, noch singen, noch wiegen bringt wirklich eine Besserung. Und mal ganz davon abgesehen bräuchtet ihr mal wieder dringend eine Mütze voll Schlaf 

Dass es tatsächlich so anstrengend sein kann mit Baby, ist den wenigsten Eltern von vornherein klar. Verständlich also, dass sich Frust breit macht – und dass ihr irgendwann Aggressionen verspürt. Dem Baby gegenüber, dem Partner gegenüber, vor allem: einfach der ganzen Situationen gegenüber, denn in Wirklichkeit, Hand aufs Herz, habt ihr euch das Elternsein dann doch ein wenig anders vorgestellt

Fotocollage schreiendes Baby verzweifelte und wütende Eltern

Ihr seid mit dem Problem nicht allein! 

Vielleicht ist es nicht wirklich der Trost, den ihr gerne hören möchtet, aber immerhin: Mit diesem Problem seid ihr wahrlich nicht alleine. Denn Eltern, die der anstrengenden Situation der ersten Wochen nicht gewachsen sind, gibt es mehr als genug. Und ihr braucht euch dafür auch wahrlich nicht zu schämen. Vor allem: Ihr könnt für diese Situation nichts! 

Wessen Schuld ist das viele Geschrei? 

Wenn Euer Baby besonders viel schreit, ist das definitiv nicht eurSchuld! Es ist ganz wichtig, dass ihr euch das klar macht. Die Schuld eures Babys aber auch nicht! Ganz im Gegenteil: es bringt rein gar nichts, in dieser Situation überhaupt einen „Schuldigen“ suchen zu wollen. Was würde das auch verbessern oder gar ändern? Eben. Selbst wenn ihr wüsstet, wer dafür verantwortlich ist, dass es so ist, wie es ist- inwiefern bitteschön soll euch das weiterhelfen? Euer Baby schreit, weil ihm etwas fehlt oder weil es euch etwas mitteilen chte. Ihr seid jedoch – im Moment – nicht in der Lage, es zu beruhigen. Aber wer sagt eigentlich, dass ihr das als Eltern überhaupt zwingend sein müsst? Lasst euch davon also bitte nicht aus dem Konzept bringen! Es gibt kein Gesetz, das besagt, dass Eltern immer und überall wissen müssen, wie ihr Kind tickt und mit welchen „Maßnahme“ sie es zum Schweigen bringen.  

Eltern, die ein Baby haben, welches besonders viel schreit – also möglicherweise ein Schreibaby – wissen ein Lied davon zu singen: egal, was sie auch probieren – der Erfolg hält sich in Grenzen. Lasst euch davon nicht entmutigen! Denn eins steht fest: es kommen auch wieder bessere Zeiten. Euer Baby scheint besonders sensibel zu sein und auf einige Dinge dementsprechend sensibler zu reagieren als andere. Wichtig ist allerdings, wie ihr dabei mit euren Gefühlen umgeht.  

„Ich könnte ausflippen“ – und jetzt? 

Dass auch Eltern mit den stärksten Nerven es nicht x-beliebig lange aushalten, wenn ihr Nachwuchs schreit und schreit und sie mit permanentem Schlafmangel leben müssen, ist nur menschlich. Solltet ihr also Aggressionen an euch bemerken, ist auch das nicht verwunderlich – denn auch damit seid ihr nicht alleine. Es ist menschlich, in so einer Extrem-Situation mit Aggressionen zu reagieren: nur – das Entscheidende bei der Sache ist: wie gehe ich am besten damit um? 

Woher kommt diese Wut überhaupt? 

Alle Eltern lieben ihr Baby. Zumindest bis zu einem gewissen Grad –oftmals sogar bis zur SelbstaufgabeWenn nun aber die Wünsche und Bedürfnisse des Babys dauerhaft mit den eigenen kollidieren, ist es nur logisch, dass wir irgendwann an unsere Grenzen stoßen. Das ist nicht nur bei einem Schreibaby der Fall, welches uns quasi Tag und Nacht keine Ruhe lässt, es kann genauso gut auch später noch auftreten, zum Beispiel dann, wenn das Kind trotzt oder noch später, wenn es in die Pubertät kommt. Wohl alle Eltern kommen irgendwann mal so sehr an ihre Grenzendass sie sich beherrschen müssen, ihr Kind nicht zu verletzen - sei es nun verbal oder körperlich. Baby schütteln ist auf jeden Fall tabu – warum, darüber wurde hier an anderer Stelle schon ausführlich berichtet. Und wenn das Kind größer ist, ist Schlagen ganz genauso tabu – fragt sich also tatsächlich, wohin mit all der Wut, wenn ihr mit den Nerven am Ende seid? 

Klar, dass sich Eltern, die eigentlich alles daran legen, „gute Eltern“ sein zu wollenschon mal fragen, ob es eigentlich normal ist, wenn sie so eine unbändige Wut auf ihren Sprössling verspürenDiesbezüglich können wir euch beruhigen: Ja, es ist bis zu einem gewissen Grad tatsächlich völlig normal – mal ganz davon abgesehen, dass es ohnehin immer die Frage ist, wie genau sich das Wort „normal“ überhaupt definiert. Zumindest ist es so, dass ihr damit wahrlich nicht alleine seid. Und verständlich ist es noch dazu. Wenn euer Baby erst mal da ist, verändert sich eure gesamte Lebenssituation – und zwar in so einem Maße, wie es vermutlich noch nie vorher und auch später nie mehr der Fall sein wird. Ihr gebt erstmal euren Beruf für eine gewisse Zeit auf. Damit fallen verschiedene soziale Kontakte nach außen weg. Freunde ohne Kinder werden wahrscheinlich auch eine Zeitlang nicht mehr die gleiche Bedeutung haben wie vorher. Eure Freizeitgestaltung wird logischerweise anders. Nicht zu vergessen euer Schlafrhythmus. Klar, ihr würdet am liebsten eurem Bedürfnis entsprechend die Nacht einfach durchschlafen. Doch dieses Bedürfnis kollidiert leider ganz massiv mit den Bedürfnissen eures Babyswelches Hunger hat, weint, Nähe sucht und eben in den ersten Wochen und Monaten noch längst keinen Schlaf-Wach-Rhythmus hat, der zu eurem passen könnte. Und genau diese Schwierigkeiten – oder sagen wir lieber Veränderungen dazu – erfordern eine gewisse Zeit, bis ihr euch daran gewöhnt habt. Alles soweit also ganz normal 

Dazu kommt, dass ihr in einem Zwiespalt steckt. Eigentlich habt ihr euch ja total darauf gefreut, endlich zu dritt zu sein, endlich ein Baby zu haben. Ihr hattet euch vorgenommen, die besten Eltern der Welt zu werden. Und nun das! Ihr seid gefrustet, übermüdet und reizbar. Essenziell dabei ist vor allem, wie ihr mit der entstehenden Wut umgeht.  

Schluss mit Perfektionismus! 

Eine Tatsache, die dieses Problem meistens noch verstärkt, ist der Drang der Eltern, alles richtig machen zu wollen. Man will nicht nur eine Supermutter sein, sondern natürlich auch im Beruf weiterhin erfolgreich sein, man will seine Partnerschaft bei der Stange halten, Freundschaften pflegen, Sport treiben, das eine oder andere Mal ausgehen und vor allem soll die Wohnung möglichst perfekt sein. Viele stecken sich hierbei allerdings viel zu hohe Ziele. Die Ansprüche, die man an sich selbst hat, sind oftmals völlig überzogen. Warum genau muss die Wohnung picobello sein, wenn Besuch kommt? Um den anderen zu zeigen, das man alles im Griff hat? Und dann? Wer dankt es einem? Wäre es nicht wichtiger, das Augenmerk auf das Baby und seine Bedürfnisse zu legen und auch auf euch? Also statt putzen und saugen vielleicht doch lieber mal eine Runde die Beine hochlegen, entspannen oder ein kurzes Nickerchen machen? Damit ist euch und eurem Kind nämlich viel eher gedient als mit einer perfekten Wohnung, die am nächsten Tag ohnehin schon gar nicht mehr so perfekt aussehen wird. Mit Kind ist es nahezu unmöglich, das gleiche Niveau an Ordnung beizubehalten wie ohne. Oder nur mit einem deutlich größeren Aufwand. Irgendeiner wird zwangsläufig darunter leiden! Verabschiedet euch also möglichst von zu hohen Ansprüchen - ganz egal, ob ihr diejenigen seid, die diese Ansprüche habt oder die anderen. Wichtiger ist in der ersten Zeit, dass ihr euch aneinander gewöhnt und an euch selber denkt, euch also etwas Gutes tut. Die Wohnung kann warten. Und es kommen auch wieder bessere Zeiten – ganz sicher!  

Menschen, die eine etwas unordentliche Wohnung habe, sind vielleicht nicht perfekt, dafür aber möglicherweise glücklicher oder zumindest deutlich entspannter. Lasst einfach mal alle fünfe gerade sein! Das bedeutet ja nicht gleich, dass eure Wohnung gleich im völligen Chaos und Dreck versinken muss. Aber den einen oder anderen überzogenen Anspruch an Ordnung und Hygiene könnt ihr jetzt euch und dem Baby zuliebe wirklich hinten anstellen.  

Was tun, wenn ihr vor Wut und Zorn rot seht? 

Es gibt durchaus Möglichkeiten, wie ihr eure angestaute Wut im Bauch wieder loswerden könnt – ganz ohne, dass ihr eurem Baby dabei im wahrsten Sinne des Wortes zu nahe tretet. Denn damit würdet ihr nicht nur eurem Baby schaden, sondern auch euch selbst.  

  • Am besten ist es immer noch, ihr versucht, Abstand zu gewinnen. Oftmals reicht es schon aus, wenn ihr aus dem Zimmer geht. Und im Zweifelsfall gilt: lasst es lieber schreien, als dass euch womöglich die Hand ausrutscht! Wenn euer Baby sicher in seinem Bettchen liegt, kann ihm nichts passieren.  
  • Einmal kurz an die frische Luft, durchatmen, auf zehn zählen – und schon sieht die Welt wieder meistens ein wenig anders aus. Wenn euer Gehirn mit Sauerstoff versorgt wird, könnt ihr wieder vernünftig denken – das ist kein Witzsondern eine Tatsache!  
  • Ihr habt das dringende Bedürfnis, mit Gegenständen um euch zu werfen? Nur zu! Aber VorsichtGeschirr oder andere zerbrechliche Gegenstände sind dafür logischerweise weniger geeignet. Ein Kissen mit voller Wucht auf das Bett zu donnern, kann auch schon eine gewisse Erleichterung verschaffen. 
  • Oftmals hilft es auch, den kleinen Schreihals einfach einzupacken und mit dem Kinderwagen draußen eine Runde zu drehen. Ein Tapetenwechsel hilft beiden Parteien, sich wieder zu beruhigen 
  • Wie wäre es, eine Freundin oder andere befreundete Eltern anzurufen? Vielleicht könnt ihr euch gegenseitig unterstützen oder euch zumindest ein wenig ausheulen. Kontakte zu anderen Eltern, die meistens ganz ähnliche Probleme haben wie ihr, sind immer sinnvoll unwichtig 
  • Entspannungsübungen, die ihr vielleicht schon bei der Hebamme gelernt habt, können euch jetzt helfen. Auch spezielle Atemübungen sorgen dafür, dass der Stresslevel abnimmt. 

Also: es ist ganz normal, dass ihr bei dem Umgang mit eurem Kind irgendwann einmal wütend werdet – dafür müsst ihr euch auch nicht schämen, denn das geht anderen Eltern ganz genauso. Nur ist es eben wichtig, wie ihr dieser Wut entgegentretet und wie ihr damit umgeht.  

Vermeiden von kritischen Situationen  

Ein paar Tipps können euch vielleicht dabei helfen, kritische Stress-Situationen erst gar nicht entstehen zu lassen:  

  • Nicht zu viel vornehmen! Mit Baby lässt sich ein Tagesplan nur sehr schlecht umsetzen, weil viel zu oft etwas Unvorhergesehenes dazwischen kommen kann 
  • Wenn es sehr stressig isterlaubt euch auch mal, die Arbeit liegen zu lassen! 
  • Lernt, wirkliche Wichtiges und Unaufschiebbares von weniger Wichtigem zu unterschieden 
  • Plant feste Auszeiten ein – für euch, für euren Partnerfür euch beide gemeinsam 
  • Nehmt jegliche Hilfe an, sie sich euch bietet: Nachbarn, FreundeElternBabysitter, Haushaltshilfen – so könnt ihr ein wenig Auszeit genießen und neue Energie tanken 
  • Tut euch etwas Gutes! Egal, ob das nun ein Tratsch mit der besten Freundin ist wie in guten alten Zeiten, ein Besuch im Schwimmbadbei der Kosmetikerin, beim Frisör oder eine Runde Sport. Das alles gibt euch neue Kraft für den anstrengenden Alltag! 
  • Behaltet eure Kontakte bei und/oder schließt neue Freundschaften. Schade, wenn ihr alle alten Kontakte abbrecht und euch nur noch auf euer Baby konzentriert – auch wenn es naheliegend wäre. Es ist wichtig, dass ihr ab und zu unter die Leute kommt und über andere Dinge sprecht als „nur“ über euer Baby. Oder aber dass ihr euch austauscht und den Frust von der Seele redet. 
  • Schafft mit eurem Partner klare FrontenMontags abends ist die Mama fürs Baby da, Donnerstags abends übernimmt der Papa zwischen zwei Stillzeiten die Babyfront und die Mama kann diesen Zeitraum so gestalten, wie sie will. Einmal alle zwei Wochen wird ein Babysitter engagiert oder so ähnlich. Ihr müsst beide an einem Strang ziehen und natürlich sollte keiner von euch zu kurz kommen. Setzt euch zusammen und macht einen Plan. Außerdem ist es wichtig, darüber zu sprechen, wer was erwartet und wer welche Bedürfnisse hat.  

Professionelle Hilfe holen – warum eigentlich nicht? 

Last but not least: eines sollte immer klar sein: Wenn ihr wirklich der Meinung seid, in einer Sackgasse zu stecken und nicht mehr ein und aus wisst, dann nehmt am besten professionelle Hilfe in Anspruch. Schreiambulanzen gib es in jeder Stadt. Auch Erziehungsberatungsstellen können sich als hilfreich erweisen. Es muss euch keinesfalls peinlich sein! Im Gegenteil, ihr zeigt Stärke, wenn ihr euch eingesteht, dass ihr mit der Situation überfordert seid. Wenn euer Kind oder ihr selber eine Krankheit habt, geht ihr schließlich auch zum Arzt und versucht nicht, alleine an den Symptomen herumzudoktorn, oder? Eben.  

Heutzutage stellt ein Baby eine besondere Herausforderung dar, denn von der Mutter wird nicht nur erwartet, eine Supermami zu sein, sie sollte ganz nebenbei auch ihren Haushalt managen und natürlich im Beruf möglichst schnell wieder ihre Mann stehen. Da ist es verständlich, dass das eine oder andere auch mal auf der Strecke bleibtDeswegenbevor die Situation eskaliert – holt euch Hilfe. Die meisten Eltern, die eine Schreiambulanz aufgesucht haben, können im Anschluss daran nur Positives darüber berichten 

Ihr seht schon: Es ist zugegebenermaßen alles nicht ganz einfach. Die Wut ist dennoch ganz normal, denn dass man, wenn man viel unter Stress und Schlaflosigkeit leidet und das Baby viel schreit, wütend wird, ist menschlich. Mit der richtigen „Überlebensstrategie“ könnt ihr aber auch diese anstrengende Zeit definitiv meistern.  

Zitat:" Ehe man keine eigenen Kinder hat, besitzt man nicht die leiseste Vorstellung davon, welches Ausmaß die eigene Stärke, Liebe oder Erschöpfung annehmen kann." 
(Peter Gallagher)

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