magazin

Baby schreien lassen?

Maik Schwede

Habt ihr schon mal darüber nachgedacht, wie ausgesprochen hilflos ein kleines Menschenbaby eigentlich ist, wenn es geboren wird? Beim Menschenbaby ist diese Hilflosigkeit im Vergleich zu anderen Säugetieren besonders stark ausgeprägt.  

Der Affe im Vergleich zum Menschen 

Nehmen wir zum Beispiel mal den Affen als Vergleich, der dem Menschen ja in vielerlei Hinsicht sehr ähnlich ist. Er ist direkt nach der Geburt deutlich viel selbständiger als wir Menschen. Ein kleines Menschlein kann, wenn es geboren wurde, nicht richtig sehen und laufen natürlich schon gleich gar nicht - es kann sich überhaupt nicht fortbewegen. Außerdem besteht ständig die Gefahr, dass es auskühlt oder am plötzlichen Kindstod sterben könnte. Eigentlich, wenn man es ganz genau nimmt, müssten Menschenbabys viel länger im Mutterleib verbleiben. Um in etwa so weit entwickelt zu sein wie ein Affe bei seiner Geburt, müssten Menschenbabyganze 16 Monate lang im Bauch sein! Im Vergleich mit anderen Tieren wäre es sogar bis zu 21 Monate. Erst dann wäre das Menschenbaby vergleichsweise so selbständig wie andere Tiere. Überlegt mal, wie viele Beispiele es aus dem Tierreich gibt, bei denen das neugeborene Baby sofort aufstehen kann und sogar losläuft!  

Aber warum ist es eigentlich so, dass der Mensch dann in so einem vergleichsweise „unfertigen“ Zustand geboren wird? 

Die Thesen, warum Menschenbabys nur 9 Monate lang im Bauch sind 

Sicher ist man sich nicht, es gibt dafür allerdings verschiedenste Thesen. Der Mensch ist ein Wesen mit aufrechtem Gang. Deswegen ist das Becken etwas enger als bei andereSäugetieren. Und schließlich muss der Kopf des Babys ja bei der Geburt auch noch irgendwie hindurchpassen. Deswegen erscheinen die neun Monate als Kompromiss: der Kopf ist gerade noch klein genug, die Entwicklung aber dabei so weit wie möglich fortgeschritten 

Es könnte aber auch am Stoffwechsel der Frau liegenDieser bestimmt nämlich, wie lange das Baby im Mutterleib verbleibt. Je mehr die Schwangerschaft fortschreitetdesto schwerer ist es für die Mutter, sowohl ihren eigenen Organismus als auch den ihres Babys zu versorgen.  

Der Mensch – eine physiologische Frühgeburt? 

Kann man also sagen, dass der Mensch eine physiologische Frühgeburt ist? Es scheint so zu sein. Da der Mensch völlig hilflos und nackt zur Welt kommt, wäre er, wenn er auf sich alleine gestellt wäre, ganz sicher dem Tode geweiht. Generell gilt das auch im Tierreich für die so genannten Nesthocker. Doch auch wenn man hier Vergleiche mit der Tierwelt anstellt, geht es dort bedeutend viel schneller, bis der Nachwuchs in der Lage ist, alleine zurechtzukommen. Beim Menschen dauert dies nämlich bekanntermaßen extrem lange. Denn alles, was das Menschenbaby lernt, um zu überleben, lernt es erst in der Zeit außerhalb des Mutterleibs: aufrechter Gang, Sprache, Denken etc 

Die Schlussfolgerung für euch als Eltern 

Was bedeutet das für euch als Schlussfolgerung? Ganz einfach: Euer Baby ist von Anfang an auf euch angewiesen. Okay, das war euch sicherlich auch vorher schon klar. Aber es ist wirklich zu 100% auf euch angewiesen, es hat gar keine andere Möglichkeit, seinem Unmut durch Schreien Ausdruck zu verleihen. Von Natur aus ist es „unfertig“ und nicht in der Lage, alleine klarzukommen. Es MUSS also euch durch seine Stimme, durch sein Schreien um Hilfe bitten. Anders geht es nicht, denn das hieße in der freien Natur, dass es keine Überlebenschance hätte.  

Also: umsorgt euer Baby genau in dem Maße, in dem es euch braucht. Es ärgert euch ganz sicher nicht, wenn es weint. Sondern irgendwas ist dann nicht so, wie es sein sollte und dann ist es nur zu verständlich, dass es euch, seine wichtigsten Vertrauenspersonen, durch Geschrei darauf aufmerksam macht.

Das Weinen zulassen statt schreien lassen

In diesem Video erzählt euch Sophia, selbst Mama eines 6 Wochen alten Säuglings wie du als Elternteil bzw. Mutter mit dem Schreien seines Babys am besten umgehen solltest. In dem Video erhälst du tolle und nützliche Tipps und Ratschläge zum Thema das Weinen eines Babys zulassen.

Was passiert mit Kindern, die wir schreien lassen? 

Das mit dem schreien lassen ist so eine Sache. Dass man es heute eigentlich nicht mehr so handhabt, das Baby sich selbst zu überlassen, wenn es schreit und es zu ignorieren, ist eigentlich mittlerweile bekannt.  

Manchmal allerdings ist es schon verlockend – vor allem dann, wenn sich das Gefühl einschleicht, dass das Baby einfach nicht in der Lage ist, auch mal alleine einschlafen zu können. Das müsste sich doch irgendwann ändern? Sollte es nicht so sein, dass Baby irgendwann in der Lage ist, in seinem Bettchen alleine in den Schlaf zu findenganz ohne, dass Mama oder Papa es in den Schlaf wiegen oder tragen? Deswegen denken auch heute noch immer manche Eltern, dass ihr Kind, wenn es einmal für ein paar Minuten schreit, bevor es einschläft, genau das (irgendwann) sicher dabei lernt: alleine einzuschlafen.  

Doch was genau bewirkt es eigentlich bei unserem Baby, wenn wir es einfach schreien lassen und nicht beachten? Nimmt es dabei womöglich einen Schaden 

Körperliche und psychische Auswirkungen 

Man vermutet tatsächlich, dass das schreien lassen auf das Baby nicht nur psychische, sondern auch körperliche Auswirkungen hat.  

Da wäre zum einen der immense Stress, der sich in eurem Baby breit macht, wenn es schreit und keiner reagiert. Das Baby versucht, euch etwas mitzuteilen mit dem Ergebnis, dass keiner reagiert und keiner sich darum kümmert. Egal, ob es nun Schmerzen empfindet, Kummer, Angst oder Hunger - es braucht euch und eure Nähe, es braucht eure Hilfe und ist auf euch angewiesen. Wird dann sein Rufen einfach ignoriert, bedeutet das für das Baby ganz einfach Stress. So kleine Babys schon gestresst? Das kann doch nicht gut sein, oder? Ist es auch nicht. Dieser gestresste Zustand nämlich kann auf Dauer nicht nur das Wachstum, sondern auch die Lernfähigkeit eures Babys negativ beeinflussen 

Was lernt ein Kind dabei, wenn seine Eltern es schreien lassen? Sein Gehirn schaltet auf Notfallprogarmm um, ganz ähnlich wie bei Tieren in der freien Natur, die durch einen Reflex, sich totzustellen versuchen, um zu überlebenLetztendlich leiden bei eurem Baby darunter vor allem sein Gehirn und dessen Entwicklung 

Es empfindet sozusagen Todesangst, wenn es ruft und sein Rufen ungehört verhallt. Woher soll es auch wissen, dass ihr ja eigentlich da seid, ihm in dem Moment aber gerade eine Lektion im alleine Einschlafen lernen erteilen wollt? Das wäre dann doch ein wenig zu viel verlangt. Wenn ihr nicht direkt in Babys Nähe seid, fühlt es sich schlichtweg alleine und verlassen.  

Kinder brauchen Nähe – verlässlich und jederzeit 

Um wichtige Grundbedürfnisse erfüllt zu bekommen, brauchen Babys körperliche Nähe und zwar zuverlässig immer genau dann, wenn sie diese einfordern. Das ist nicht nur wichtig, um den Stress, der beim Schreien entsteht, abzubauen, sondern es ist auch ungemein wichtig, um eine vertrauensvolle Eltern-Kind Bindung zu bilden 

Wenn Eltern hingegen viel mit ihrem Kind kuscheln und schmusenzahlt sich das aus: solche Kinder sind später selbstbewusster, gesünder, weniger depressiv und kommen sogar generell leichter durchs Leben.  

Psychische Auswirkungen  

Außerdem kann ein Baby, welches seine Eltern häufig schreien lassen, dabei regelrechte Traumata entwickeln, die es dann bis hinein ins Erwachsenenalter begleiten. Ein mögliche Folge davon sind später Bindungsprobleme – kein Wunder, denn euer Kind lernt dadurch, dass man anderen Menschen generell lieber mal nicht über den Weg traut. Dabei ist Urvertrauen und generell Vertrauen in andere Menschen doch so wichtig!  

Weiterhin kann es in Folge dessen aber auch zu anderen Problemen kommen wie Schlafstörungen, Depressionen oder gar Abhängigkeiten kommen 

Hat schreien lassen also überhaupt einen pädagogischen Wert? 

Man kann mit ziemlich großer Sicherheit behaupten, dass also das schreien lassen des Babys schlichtweg null pädagogischen Wert hat, ganz im Gegenteil. Eltern, die ihr Kind schreien lassen, tun weder sich noch ihrem Nachwuchs einen Gefallen damit. Meistens geht die Rechnung nämlich ohnehin nicht auf – das Kind schreien lassen in der Hoffnung, es würde sich irgendwann selber beruhigen, funktioniert meistens überhaupt nicht. Die meisten Babys steigern sich, wenn ihr Schreien nicht erhört wird, nur noch mehr hinein in das Geschrei. 

Ein Kind kann keine Schlüsse daraus ziehen in der Art „okay, nun habe ich 10 Minuten lang geschrien, es kommt ja ohnehin keiner, also lasse sich es eben. So funktioniert das bei Babys nicht! In den allermeisten Fällen wird Baby immer mehr und immer lauter die Hilfe seiner Eltern einfordern. Hinzu kommt, dass Babys im Gegensatz zu Erwachsenen überhaupt kein Zeitgefühl haben. Ob nun also erst eine Minute um ist oder vielleicht schon eine halbe Stunde, das können Babys nicht ermessen.  

Es gibt also eigentlich nur einen wirklich guten Rat in der Beziehung: hört einfach auf euren Bauch, wenn euer Baby schreit. Der wird euch nämlich - das hat die Natur schon ganz schlau so eingerichtet – sagen, dass ihr auf das Schreien eures Babys unmittelbar reagieren sollt. Sowohl das Schreien als auch das darauf Reagieren sind nämlich ganz natürliche Reflexe 

Die Situation kennen vermutlich alle Eltern: das Baby schreit und schreit, und es gibt einfach nichts, womit man es beruhigen kann. Die Situation erscheint ausweglos, nichts und niemand kann ihm helfen, ganz egal, wie viel ihr es herumtragt, singt, spielt, es schaukelt… Baby kann einfach nicht aufhören zu schreien. Dann ist die Verlockung zugegebenermaßen groß, es einfach mal schreien zu lassen. Wenn es sich doch mit all unserer Bemühungen ohnehin nicht beruhigt, kann es doch eigentlich auch alleine bleiben, oder? 

Es gibt sogar heute noch Kinderärzte, die den Eltern empfehlen, ihr Baby sozusagen kontrolliert schreien zu lassen. Denn dabei würde es lernen, besser ein- und sogar durchzuschlafen 

Interessant ist jedoch, was führende Forscher und Wissenschaftler auf dem Gebiet der Bindungsforschung herausfanden. Deswegen habt ihr als Eltern eigentlich ein Recht darauf – bevor ihr solche Methoden anwendet -  darüber informiert zsein, was mit eurem Baby eigentlich passiert, wenn ihr es schreien lasst.  

Zweifellos: schreien lassen funktioniert irgendwann 

Es scheint sogar tatsächlich zu funktionierenWenn ihr das Geschrei eures Babys nur lange genug ignoriert, wird es irgendwann damit aufhören. Das ist aber absolut kein Grund, stolz auf euch oder euer Baby zu sein – ganz im Gegenteil. Die Methode ist zwar durchaus umstritten, aber immerhin: sie scheint zu funktionieren.  

Was lernen die Kinder dabei? 

Babys, die nach ein paar Minuten Schreien irgendwann einfach aufgeben und verstummen, lernen dabei nicht, dass Mama oder Papa von ihrem Geschrei genervt sind und sie deswegen eigentlich auch aufhören können. In Wirklichkeit verhält es sich nämlich ganz anders. Ein Baby hört nicht deswegen nach 15 oder 30 Minuten auf zu schreien, weil es jetzt verstanden hat, was Sache ist, sondern weil es dazu gezwungen wird. Es kapituliert. Es hat also tatsächlich etwas dabei gelernt: Dases schreien kann, so viel es will und dennoch keiner kommt, um seinen Kummer zu erhören. Noch etwas krasser formuliert: Die Biologen würden dies sogar als Schutzstarre bezeichnen. Das ist im Reich der Säugetiere nämlich ganz ähnlich. Wenn ein Tier durch mpfen oder Fliehen keine Chance hat, dann tut es gut daran, Energie zu sparen. Es wird leise und versucht, seine Feinde nicht noch zusätzlich auf sich aufmerksam zu machen – die Folge davon: es verstummt.  

Schutzstarre bzw. dissoziativer Zustand 

In diesem Fall bedeutet das, dass euer Baby einfach abschaltet. Das Gefühl, allein zu ohnmächtig zu sein, wird dabei verstärkt. Hinzu kommt ein regelrechtes Gefühl der Panik und der Ohnmacht hinzu„Ich bekomme keine Hilfe und ohne Hilfe kann ich nicht überleben“ – das ist der Schluss, den Babys daraus ziehen. Und genau das ist für ein Baby schier nicht auszuhalten.  

Um sich zu schützen, schalten Babys, die man schreien lässt, einfach ihre Gefühle ab und spüren nichts mehr. Sie dissoziieren, schalten nicht nur ihre Gefühlesondern auch ihren Hunger und ihren Durst aus. Das heißt aber noch lange nicht, dass sie deswegen friedlich schlafen würden. Sie liegen vielmehr wach in ihrem Bettchen und melden sich nicht.  

Sie haben etwas Grundlegendes aus Eurer Lektion gelernt: nämlich wichtige Bedürfnisse zu unterdrücken, Hungergefühle nicht mehr zuzulassen und somit zu resignieren.  

Babys sind an unsere getaktete Gesellschaft noch nicht gewöhnt 

Wenn ein Baby geboren wird, ist es - gottseidank, kann man eigentlich nur sagen - noch lange nicht an unsere durchgetaktete Gesellschaft gewöhntWoher denn auch? Zum einen brauchen Babys immer die Nähe ihrer Bezugsperson, um ein sicheres Gefühl zu haben und sich geborgen zu fühlen. Andernfalls ist an einen ruhigen und erholsamen Schlaf nicht zu denken. Außerdem verarbeiten Babys im Schlaf all das, was sie am Tag so erlebt haben. Das Gehirn entwickelt sich rasant schnell, weswegen es oft passiert, dass Babys abends und nachts aufgewühlt sind und von Mama oder Papa Trost und Beistand benötigen 

Wenn euer Baby schreit, ist dies immer ein Signal, welches ernst genommen werden sollte. Ist das nicht der Fall, kann die Bindung zwischen euch und eurem Baby nachhaltig geschädigt werden.  

Wozu führt das Schreien lassen noch? 

In dem Buch „ die neue Elternschule“ klärt die britische Kinderpsychologin Margot Sunderland ganz genau, was im Gehirn eines Kindes vor sich geht, welches die Eltern schreien lassen. Man kann das nämlich anhand von Gehirnscans ganz gut erkennen: frühkindlicher Stress kann das Stressreaktionssystem eines Menschen auf dauerhafte Überempfindlichkeit programmieren. Was das bedeutet? Dass euer Nachwuchs in seinem späteren Leben womöglich immer wieder anfällig ist für Ängste, Depressionen, Angstsrungen, Alkohol oder andere Erkrankungen. Auch SchlaflosigkeitHerzerkrankungen, Asthma, Bluthochdruck den Panikattacken können bei frühkindlichem Stress begünstigt werden 

Dies liegt daran, dass der Hippocampus im Gehirn bei Babys, die man schreien lässt, leicht schrumpft. Fakt ist, dass Erwachsene, bei denen diese Gehirnregion kleiner ist, in verschiedenen Tests schlechter abschneiden. Frühkindlicher Stress, so vermuten einige  Wissenschaftler, könnte sogar einen Risikofaktor für die vorzeitige Gehirnalterung darstellen. Und mal ehrlich: Wer würde das schon wollen? 

Bindungssicherheit schenkt Vertrauen 

Eine starke Bindung ist für Eltern und Kind also ein ganz wichtiger Grundbaustein, um ein sicheres Fundament einer Beziehung aufzubauen. Kinder, die sich in der Beziehung zu ihren Eltern sicher und geborgen fühlen, können später schwierige Situationen besser meistern, sie sind resistenter gegen Stress, empathiefähgier und selbstbewussterDas alles wiederum wirkt sich auf ihre eigene Bindungsfähigkeit positiv aus.  

Empathie kann man lernen 

Es ist tatsächlich so: Empathie ist nicht nur angeboren, man kann sie auch erlernen. Babys, die erfahren haben, dass ihre Eltern sich um sie sorgen, wenn sie weinen, können später im Umgang mit andereMenschen ebenfalls mehr Empathiemepfinden und Bezeugungen aufbauen – eigentlich ist das ja auch logisch.  

Ihr solltet eurem Baby zu spüren geben, dass es, wenn es abends oder nachts weinen muss, nicht alleine ist, sondern dass seine Bedürfnisse ernst genommen und für wichtig befunden werden – das kann zwar in dem Moment etwas anstrengend sein, ihr tut euch und eurem Kind aber langfristig damit einen unglaublich großen gefallen und Eurer Eltern-Kind Beziehung etwas ausgesprochen Gutes.  

Unsere Federwiege von swing2sleep schafft eine unglaublich beruhigende und entspannte Atmosphäre, so kann sich euer Baby sichtlich leichter beruhigen und in den Schlaf finden. 

Federwiege ansehen Button

Wenn euer Baby schreit, ist dies immer ein Signal, welches ernst genommen werden sollte. 

 

QuelleHuffington Post 


Tags



Älterer Post Neuerer Post



Hinterlasse einen Kommentar

Bitte beachte, dass Kommentare vor der Veröffentlichung freigegeben werden müssen