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Babys brauchen Berührungen

Maik Schwede

Berührungen können beim Menschen sehr viel bewirken. Zum Beispiel stärken sie die Bindung und sie sorgen dafür, dass das Glückshormon Oxytocin ausgeschüttet wird - und das funktioniert auch schon bei den Allerkleinsten.  

Mutter massiert Baby

Unser Berührungsempfinden 

Bei unserer Haut handelt es sich um das größte Sinnesorgan, welches zugleich auch das bei der Geburt am besten ausgebildete Sinnesorgan ist. Schon im Mutterleib erfährt das Ungeborene sanfte Berührungen, da es komplett vom Fruchtwasser umschlossen ist und immer wieder an die Gebärmutter stößt. Das geht nach der Geburt weiter: Babys erfahren über die Berührung und den Tastsinn mehr als über alle anderen Sinne.  

Tatsächlich entsteht der Tastsinn bei einem Baby im Mutterleib als allererstes. Schon ein Embryo mit 5 Wochen kann Berührungen der Lippe oder der Nase spüren – das ist ein Zeitpunkt, zu dem die Mutter oftmals noch nicht mal weiß, dass sie überhaupt schwanger istEin klares Zeichen dafür, dass der Tastsinn so wichtig ist, denn all das, was für unser späteres Leben besonders wichtig ist, bildet sich schon ganz früh aus.

Allerdings kann das Berührungsempfinden eines 5 Wochen alten Embryos noch nicht mit dem eines Neugeborenen verglichen werden.
Dennoch ereignen sich bereits jetzt bestimmte Abläufe, die durch Berührung hervorgerufen werden. In der 12. Woche kann der Embryo dann bereits an der gesamten Hautoberfläche Reize empfinden und erkennen.  

Sogar das Daumenlutschen, welches ab der etwa 20. Woche stattfindet, stellt eine intensive Berührungserfahrung für das Ungeborene dar.  

Wenn man sich vor Augen hält, dass unser Tastsinn uns auch signalisiert, wenn etwas schmerzhaft ist, welche Temperatur oder Beschaffenheit ein Gegenstand hat und wo wir uns im Raum befinden, wird schnell klar, warum gerade er so wichtig ist. Die Haut, so sagt, man, ist ein Spiegel unserer Seele. 

Dopamin und Oxytocin 

Wenn das Baby erst mal geboren ist, dann empfindet es bei allen Berührungen, die ihm angenehm sind, also beim Stillen, beim Körperkontakt, bei der Körperpflege oder beim Kuscheln mit Mama oder Papa ein regelrechts Glücksgefühl, das liegt daran, dass dabei die Liebeshormone Oxytocin und Dopamin ausgeschüttet werden. Oxytocin bewirkt, dass das Baby sich entspannt, es sorgt für ein Gefühl der sozialen Verbundenheit, wirkt positiv auf Ängste und den Blutdruck, es verringert den Spiegel an Kortisol und regt den Wachstum der Nerven an. Oxytocin ist also ein regelrechtes Bindungshormon, man spricht auch vom so genannten Kuschelhormon. Im Übrigen wird Oxytocin bereits bei der Zeugung des Babys ausgeschüttet, genauso wie auch bei seiner Geburt und später dann auch beim Stillen. Es ist dafür verantwortlich, dass ihr beide euch regelrecht beflügelt fühlt. 

Mutter stillt Baby

Wie werden diese Hormone eigentlich ausgeschüttet? 

Das ist ein ziemlich komplexer Vorgang. Zuerst nehmen die unzähligen Tastkörperchen, die sich in der Haut befinden, den Reiz auf und leiten ihn an das Gehirn weiter. Auch in den tieferen Hautschichten befinden sich Rezeptoren, die das Gehirn auf dem Laufenden halten über das, was gerade passiert. Angenehme Berührungen veranlassen, dass die Haut Signale an das Gehirn sendet, welches wiederum veranlasst, dass die Glückshormone ausgeschüttet werden und dass sich sowohl Körper als auch Seele besser entwickeln.  

Welche positiven Folgen haben Berührungen noch? 

Eine ganze Menge. Nicht nur die Bindung wird gestärkt, es passiert noch einiges mehr im kindlichen Organismus. Seine Muskeln entspannen sich, es fühlt sich wohl und geborgen. Außerdem werden dadurch die kindlichen Entwicklungsprozesse beschleunigt: das Baby wächst besser, sein Immunsystem wird gestärkt und seine Körperfunktionen sind weniger anfällig für Störungen. Wenn Kinder ganz früh merken und spüren, dass sie geliebt werden, entwickeln sie ein positives Körpergefühl, was ungemein wichtig istBerührungen sind also für Babys neben der Nahrung mindestens genauso wichtig, damit sie wachsen und gedeihen können.   

Was passiert, wenn diese Berührungen fehlen? 

Man hat herausgefunden, dass Babys, die gänzlich ohne Liebe und Berührung aufwachsen und ausschließlich gefüttert werden, im Laufe der Zeit schwere Verhaltensstörungen davontragen oder sogar sterben. Hier wird schnell die wirkliche Bedeutung von Berührung deutlich.  

Mit dem Baby durch Berührung kommunizieren 

Schon in der Schwangerschaft nehmen Eltern mit ihrem Baby Kontakt auf, nämlich indem sie den Bauch berühren und das Baby ertasten. Das ist auch gut so! Je größer das Baby wird, desto enger wird es in der Gebärmutter und desto mehr nehmen sowohl die Mutter als auch das Baby die gegenseitigen Berührungsreize wahr. Im Grunde genommen ist das die allererste Kommunikation, die zwischen den beiden stattfindetDiese bleibt das ganze Leben lang bestehen und stärkt das spätere Bonding, also die Bindung zwischen Eltern und Kind.  

Bindung nach der Geburt durch Berührung 

Außerhalb des mütterlichen Bauches ist das Leben für ein Neugeborenes in allererster Linie einmal kalt, ungemütlich, laut, schrill und verängstigend. Wenn das Baby ängstlich ist oder Hunger hat, wird es nach seinen Eltern rufen. Dabei reicht es dann aber nicht aus, wenn Mama oder Papa beruhigend auf es einreden, sondern es braucht vor allem körperlichen Kontakt, Hautkontakt. Nur dann werden bei ihm wieder die bereits genannten Hormone freigesetzt und es beruhigt sich dadurch wieder.  

Es ist sogar bekannt, dass grundsätzlich jedes Lebewesen Aufmerksamkeit, Berührungen und Hautkontakt braucht, um sowohl an Leib als auch an der Seele gesund zu bleiben 

Mutter und Baby kuscheln

Wie können Eltern diese erste Bindung noch intensivieren? 

Ihr könnt diese Bindung zu eurem Baby intensivieren, indem ihr zum Beispiel euer Baby viel umhertragt, es bei euch im Bett schlafen lasst oder indem ihr ihm eine Babymassage gönnt. Diese Berührungen gehen eurem Baby regelrecht unter die Haut und es wird sein ganzes späteres Leben davon profitierenEuer Baby wird also nicht verwöhnt, wenn ihr es viel berührund es streicheltganz im Gegenteil! 

Federwiegen ansehen Button

Das Team von swing2sleep wünscht eine wundervolle Babyzeit mit vielen schönen Momenten des Kuschelns. 

 

Quellen: 

  • Eliot, L. (2003): Was geht da drinnen vor? Die Gehirnentwicklung in den ersten fünf Lebensjahren. – 4. Aufl. Berlin: Berlin.  
  • Burgdorf, J./Panksepp, J. (2006): The neurobiology of positive emotions. In: Neuroscience and Biobehavioral Reviews 30 (2006) 173–187, online: http://gruberpeplab.com/teaching/psych231_fall2013/documents/231_BurgdorfPanksepp2006.pdf 
  • Uvnäs-Moberg, K. (2006): Physiological and Endocrine Effects of Social Contact In: Annals of the New York Academy of Sciences Volume 807, Integrative Neurobiology of Affiliation. 

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