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Babys brauchen Berührungen

Maik Schwede

Berührungen können beim Menschen sehr viel bewirken. Zum Beispiel stärken sie die Bindung und sie sorgen dafür, dass das Glückshormon Oxytocin ausgeschüttet wird - und das funktioniert auch schon bei den Allerkleinsten.  

Warum für Babys Berührungen so wichtig sind 

Hautkontakt ist für Babys genauso wichtig wie Nahrung. Jede einzelne Berührung von Mama oder Papa hat auf das Baby eine regelrecht magische Wirkung. Hautkontakt, so weiß man heute, stärkt das Immunsystem und macht psychisch stark.

Kinder, die niemals Hautkontakt bekommen, sondern nur gefüttert und gewickelt werden, verkümmern hingegen.

Außerdem sind die ersten Zärtlichkeitserlebnisse auf der Haut eine wichtige Basis für das spätere sexuelle Leben eines Kindes.

 

Babys erstes Erlebnis ist die Berührung

Denken wir mal an die Zeit, in der das Baby noch sicher und geborgen in Mamas Bauch liegt – in der Schwangerschaft. Hier ist bereits der Tastsinn des Babys aktiv. Schon lange Zeit bevor es hören oder riechen kann, ist es empfänglich für Berührungen und kann im zarten Alter der 8. Schwangerschaftswoche auf Reize bzw. zärtlichen Kontakt von außen reagieren - dann, wenn Mama oder Papa die Hand auf den Bauch legen zum Beispiel.

Mutter berührt Baby am Rücken

Unser Berührungsempfinden 

Bei unserer Haut handelt es sich um das größte Sinnesorgan, welches zugleich auch das bei der Geburt am besten ausgebildete Sinnesorgan ist. Schon im Mutterleib erfährt das Ungeborene sanfte Berührungen, da es komplett vom Fruchtwasser umschlossen ist und immer wieder an die Gebärmutter stößt. Das geht nach der Geburt weiter: Babys erfahren über die Berührung und den Tastsinn mehr als über alle anderen Sinne.  

Tatsächlich entsteht der Tastsinn bei einem Baby im Mutterleib als allererstes. Schon ein Embryo mit 5 Wochen kann Berührungen der Lippe oder der Nase spüren – das ist ein Zeitpunkt, zu dem die Mutter oftmals noch nicht mal weiß, dass sie überhaupt schwanger istEin klares Zeichen dafür, dass der Tastsinn so wichtig ist, denn all das, was für unser späteres Leben besonders wichtig ist, bildet sich schon ganz früh aus.

Allerdings kann das Berührungsempfinden eines 5 Wochen alten Embryos noch nicht mit dem eines Neugeborenen verglichen werden.
Dennoch ereignen sich bereits jetzt bestimmte Abläufe, die durch Berührung hervorgerufen werden. In der 12. Woche kann der Embryo dann bereits an der gesamten Hautoberfläche Reize empfinden und erkennen.  

Sogar das Daumenlutschen, welches ab der etwa 20. Woche stattfindet, stellt eine intensive Berührungserfahrung für das Ungeborene dar.  

Wenn man sich vor Augen hält, dass unser Tastsinn uns auch signalisiert, wenn etwas schmerzhaft ist, welche Temperatur oder Beschaffenheit ein Gegenstand hat und wo wir uns im Raum befinden, wird schnell klar, warum gerade er so wichtig ist. Die Haut, so sagt, man, ist ein Spiegel unserer Seele. 

Dopamin und Oxytocin 

Bei Berührung werden regelrechte Glücksgefühle ausgelöst, das wissen wir nun. Aber warum ist das so?

Wenn das Baby erst mal geboren ist, dann empfindet es bei allen Berührungen, die ihm angenehm sind, also beim Stillen, beim Körperkontakt, bei der Körperpflege oder beim Kuscheln mit Mama oder Papa ein regelrechts Glücksgefühl, das liegt daran, dass dabei die Liebeshormone Oxytocin und Dopamin ausgeschüttet werden. Es handelt sich dabei aber nicht einfach nur um einen biochemischen Prozess, sondern es steckt noch einiges mehr dahinter.  Oxytocin bewirkt, dass das Baby sich entspannt, es sorgt für ein Gefühl der sozialen Verbundenheit, wirkt positiv auf Ängste und den Blutdruck, es verringert den Spiegel an Kortisol und regt den Wachstum der Nerven an. Oxytocin ist also ein regelrechtes Bindungshormon, man spricht auch vom so genannten Kuschelhormon

Es ist auch am Geburtsprozess maßgeblich beteiligt und sorgt dafür, dass die Mutter die schmerzhaften Wehen viel besser ertragen und wegstecken kann. Nach der Geburt steuert es den Reflex der Milchausschüttung. Und noch etwas: Das Hormon Oxytocin verstärkt die Beziehung zwischen Mutter und Kind.

Oxytocin ist sozusagen das Gegenstück von Stresshormonen wie Adrenalin oder Cortisol. Diese nämlich lassen den Blutdruck steigen und versetzen uns in Stress, wohingegen Oxytocin uns beruhigt, entspannt und besänftigt.

Für einen guten und gesunden Start ins Leben ist es also ungemein wichtig, dass ihr als Eltern eurem Nachwuchs viel Zuwendung und Berührung zukommen lasst. Im Übrigen spielt die Sehnsucht nach Berührung und Hautkontakt aber nicht nur bei Babys und Kindern so eine große Rolle, sondern ist in jedem Alter ein wichtiges Grundbedürfnis des Menschen.

Mutter stillt Baby an der Brust

Bindung zum Baby aufbauen auch ohne Stillen

Stillen stärkt die Bindung zwischen Mutter und Baby, das ist hinlänglich bekannt. Nun gibt es aber auch Mütter, die ihr Baby aus verschiedenen Gründen leider nicht stillen können. Wie können es diese Mütter hinbekommen, dennoch eine starke Bindung zu ihrem Kind aufzubauen? Genau: durch ausreichend Körperkontakt. Während du deinem Baby die Flasche gibst, kannst du es zum Beispiel nackt auf deinen nackten Oberkörper legen. Der Vorteil: das kann der Papa ebenfalls so machen. Dabei wird Baby zärtlich gestreichelt, was ihm signalisiert: Mama und Papa lieben mich.

Wie werden diese Hormone eigentlich ausgeschüttet? 

Das ist ein ziemlich komplexer Vorgang. Zuerst nehmen die unzähligen Tastkörperchen, die sich in der Haut befinden, den Reiz auf und leiten ihn an das Gehirn weiter. Auch in den tieferen Hautschichten befinden sich Rezeptoren, die das Gehirn auf dem Laufenden halten über das, was gerade passiert. Angenehme Berührungen veranlassen, dass die Haut Signale an das Gehirn sendet, welches wiederum veranlasst, dass die Glückshormone ausgeschüttet werden und dass sich sowohl Körper als auch Seele besser entwickeln.  

Welche positiven Folgen haben Berührungen noch? 

Eine ganze Menge. Nicht nur die Bindung wird gestärkt, es passiert noch einiges mehr im kindlichen Organismus. Seine Muskeln entspannen sich, es fühlt sich wohl und geborgen. Außerdem werden dadurch die kindlichen Entwicklungsprozesse beschleunigt: das Baby wächst besser, sein Immunsystem wird gestärkt und seine Körperfunktionen sind weniger anfällig für Störungen. Wenn Kinder ganz früh merken und spüren, dass sie geliebt werden, entwickeln sie ein positives Körpergefühl, was ungemein wichtig istBerührungen sind also für Babys neben der Nahrung mindestens genauso wichtig, damit sie wachsen und gedeihen können.   

Für Mutter und Vater sind die Berührungen ebenfalls wichtig

Aber, das darf nicht vergessen werden: Auch für Mama und Papa ist dieser Hautkontakt immens wichtig. Es ist sogar ein regelrechter Jungbrunnen und ein Lebenselixier für euch als Eltern, wenn ihr euer Baby berührt, massiert und streichelt.

Was passiert, wenn diese Berührungen fehlen? 

Man hat herausgefunden, dass Babys, die gänzlich ohne Liebe und Berührung aufwachsen und ausschließlich gefüttert werden, im Laufe der Zeit schwere Verhaltensstörungen davontragen oder sogar sterben. Hier wird schnell die wirkliche Bedeutung von Berührung deutlich.  

Mit dem Baby durch Berührung kommunizieren 

Schon in der Schwangerschaft nehmen Eltern mit ihrem Baby Kontakt auf, nämlich indem sie den Bauch berühren und das Baby ertasten. Das ist auch gut so! Je größer das Baby wird, desto enger wird es in der Gebärmutter und desto mehr nehmen sowohl die Mutter als auch das Baby die gegenseitigen Berührungsreize wahr. Im Grunde genommen ist das die allererste Kommunikation, die zwischen den beiden stattfindetDiese bleibt das ganze Leben lang bestehen und stärkt das spätere Bonding, also die Bindung zwischen Eltern und Kind.  

Bindung nach der Geburt durch Berührung 

Außerhalb des mütterlichen Bauches ist das Leben für ein Neugeborenes in allererster Linie einmal kalt, ungemütlich, laut, schrill und verängstigend. Wenn das Baby ängstlich ist oder Hunger hat, wird es nach seinen Eltern rufen. Dabei reicht es dann aber nicht aus, wenn Mama oder Papa beruhigend auf es einreden, sondern es braucht vor allem körperlichen Kontakt, Hautkontakt. Nur dann werden bei ihm wieder die bereits genannten Hormone freigesetzt und es beruhigt sich dadurch wieder.  

Es ist sogar bekannt, dass grundsätzlich jedes Lebewesen Aufmerksamkeit, Berührungen und Hautkontakt braucht, um sowohl an Leib als auch an der Seele gesund zu bleiben 

Baby schläft

Die Haut als primäres Sinnesorgan

Da die Haut des Babys als primäres Sinnesorgan besonders empfänglich ist für liebevolle Berührungen, erfährt es dadurch Liebe und Geborgenheit. Haut an Haut Kontakt ist sowohl für das Kind als auch für euch alle Eltern ein ganz wichtiger Faktor dafür, dass sich die Nervenzellen, das Nervensystem und auch das Gehirn gut entwickeln.

Hautkontakt und Berührung sind wichtige Bestandteile unseres gesamten Lebens. Für Babys ist Berührung und Zärtlichkeit in den ersten 6 Monaten nicht nur wichtig, sondern sogar essentiell.

Viel Hautkontakt wirkt sich im späteren Leben positiv aus

Wer mit viel Hautkontakt aufwächst, so vermuten Psychologen, wird später ausgeglichener und weniger stressanfällig. Außerdem kann er zu seinen Mitmenschen besser Vertrauen aufbauen als andere Menschen. Die Haut speichert nämlich die Erinnerung an Berührung und Zuwendung ab und aktiviert diese dann in späteren Situationen beim Umgang mit anderen Menschen.

Wie können Eltern diese erste Bindung noch intensivieren? 

Ihr könnt diese Bindung zu eurem Baby intensivieren, indem ihr zum Beispiel euer Baby viel umhertragt, es bei euch im Bett schlafen lasst oder indem ihr ihm eine Babymassage gönnt. Diese Berührungen gehen eurem Baby regelrecht unter die Haut und es wird sein ganzes späteres Leben davon profitierenEuer Baby wird also nicht verwöhnt, wenn ihr es viel berührund es streicheltganz im Gegenteil! 

Getragene Babys sind ruhiger. Aber warum eigentlich?

Wenn Baby im Kinderwagen liegen, sehen sie gerade in den ersten Monaten ausschließlich den Himmel. Den aber wollen sie gar nicht sehen. Babys wollen vielmehr die Welt erleben – aber immer schön in der Nähe von Mamas oder Papas Brust, die ihnen Sicherheit und Geborgenheit gibt. Kinder, die getragen werden, erleben die Welt mit allen ihren Sinnen, das trägt zu einer gesunden Entwicklung des Gehirns bei.

 

Interessante Studie: wenn Babys von ihren Müttern ignoriert werden, reagieren sie gestresst

Interessant ist eine Studie, die aus Kanada kommt und mittlerweile schon ein paar Jahre alt ist, aktuell ist sie aber immer noch. Man fand heraus, dass Babys in einem Alter von etwa 6 Monaten gestresst wirken, wenn sie nicht die Aufmerksamkeit von Mama oder Papa bekommen, die sie gerne hätten. Oder die sie meinen, verdient zu haben.

Wenn also Mama oder Papa ihr Baby ignorieren, und sei es auch nur für die kurze Zeitspanne von 2 Minuten, steigt bei ihnen der Cortisol Spiegel an, was bedeutet, sie sind regelrecht gestresst. Das wirkt sogar so lange nach, dass sie sich einen Tag danach immer noch an die Situation zurückerinnern und befürchten, es könne ihnen ein weiteres Mal so ergehen, dass Mama oder Papa sie ignorieren.

Studie mit Säuglingen

Bei einer Studie wurden 30 Babys in Autositze gesetzt und die Mütter der einen Gruppe beschäftigten sich wie gewohnt mit ihnen. Die Mütter der anderen Gruppe hingegen unterbrachen die Spielphasen mehrere Male für etwa 2 Minuten lang. Und zwar in der Form, als dass sie während dieser Zeit ausdruckslos über ihr Kind hinweg in den Raum starren sollten. Was passierte?

Am darauffolgenden Tag wurden alle 30 Säuglinge wiederum ins Labor eingeladen. Man maß den Cortisol Level an beiden Tagen mehrfach. Diejenigen Kinder, die am ersten Tag von der Mutter ignoriert wurden, zeigten bereits am ersten Tag erhöhte Konzentrationen an Cortisol. Am darauffolgenden Tag, als sie wiederum im Labor waren, stiegen die Cortisol Werte interessanterweise sofort an, ganz ohne dass sie zu diesem Zeitpunkt bereits ignoriert worden wären.

Was zeigt uns das? Das zeigt uns ganz eindeutig, dass die Babys sich an die Situation am Tag zuvor erinnerten und befürchteten, es könne ihnen ein weiteres Mal so ergehen.

Sie verbanden das Labor regelrecht mit einer stressigen Situation, was sich an ihrem Cortisol Spiegel ganz eindeutig beweisen ließ.

Worauf deutet das Studienergebnis hin?

Das Ergebnis dieser Studie zeigt ganz eindeutig, dass Säuglinge in der Lage sind, eine zu erwartende Stress Situation bereits im Voraus zu erkennen und sich davon zu fürchten.

Alles in allem können stressige Situationen für das Baby sein Immunsystem negativ beeinflussen und sogar die Mutter Kind Beziehung beeinträchtigen.

Experten warnen vor zu viel Stress für das Baby

Experten warnen davor: Wenn Baby zu häufig derlei „stressigen“ Situationen ausgesetzt sind, könnte dies einen negativen Effekt haben auf ihre Gesundheit und die Entwicklung.

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Das Team von swing2sleep wünscht eine wundervolle Babyzeit, mit vielen schönen Momenten des Kuschelns. 

 

Quellen: 

  • Eliot, L. (2003): Was geht da drinnen vor? Die Gehirnentwicklung in den ersten fünf Lebensjahren. – 4. Aufl. Berlin: Berlin.  
  • Burgdorf, J./Panksepp, J. (2006): The neurobiology of positive emotions. In: Neuroscience and Biobehavioral Reviews 30 (2006) 173–187, online: http://gruberpeplab.com/teaching/psych231_fall2013/documents/231_BurgdorfPanksepp2006.pdf 
  • Uvnäs-Moberg, K. (2006): Physiological and Endocrine Effects of Social Contact In: Annals of the New York Academy of Sciences Volume 807, Integrative Neurobiology of Affiliation. 

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