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Vater sein - Das Baby ist da

Maik Schwede

Du hast dich neun Monate auf dein Kind gefreut und konntest es kaum erwarten, dass es das Licht der Welt erblickt. Die Geburt eures Kindes war für dich ein sehr bewegendes Ereignis und auch die Tage darauf konntest du dein Glück noch kaum fassen. Nun ist es endlich soweit. Du und deine Familie dürfen endlich nach Hause. Zuhause angekommen kann sich eventuell ein Gefühl von Angst oder Panik in dir ausbreitet. Du merkst schnell, jetzt wird es ernst, ihr habt das Krankenhaus verlassen und damit auch den behüteten Ort mit Ärzten und Hebammen. Plötzlich seid ihr auf euch gestellt. Die Dynamik beim Übergang von einem Paar zur Familie wird nur allzu oft von werdenden Eltern unterschätzt. Auch an den stark veränderten Tagesabläufen und an neue Nachtabläufe muss man sich erst einmal gewöhnen. Das kann durchaus sehr anstrengend werden. Die ersten Monate mit dem neugeborenen Baby können euch ziemlich an eure körperlichen und seelischen Grenzen bringen.

Vater hält Baby

Es ist aber vollkommen normal, dass sich die Verantwortung für einen kleinen Menschen am Anfang anfühlt als hätte dir jemand eine ziemlich schwere Last auf die Schultern gelegt. Du bist plötzlich nicht nur für dich, sondern für eine kleine Familie verantwortlich und das kann in der ersten Zeit natürlich auch Ängste auslösen. In den Monaten der Schwangerschaft habt ihr euch ja nur theoretisch mit dem Eltern sein beschäftigt. Es gab zwar Gespräche, Kurse und Vorsorgetermine alles ganz nett und hilfreich. Auch im Krankenhaus wurdet ihr rundherum versorgt.

Dort gibt es gut ausgebildete Hebammen, die euch in Unsicherheiten und Fragen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Es ist dort alles extrem gut organisiert. Doch jetzt seid ihr Zuhause und nun offiziell Eltern. Verständlich, dass sich erst einmal ein Gefühlschaos in dir ausbreitet. Einerseits bist du vielleicht total euphorisch und überaus glücklich, andererseits kann sich auch ein dunkler Film vor deinem inneren Auge abspielen. Was könnte alles schief gehen? Wie gehe ich mit der großen Verantwortung um, die mir nun auferlegt ist? Deshalb ist es nur logisch, dass du dich auf einmal außerhalb deiner Komfortzone befindest.

Nimm dir Zeit, dich erst einmal mit der neuen Situation zu arrangieren. Durchaus können dir einige Dinge dabei helfen.

Gute Vorbereitung

Es wird helfen, wenn ihr gemeinsam im Vorfeld besprecht, wie euer Elternleben aussehen soll. Wer von euch gerade in der Anfangsphase welche Aufgaben übernimmt. Da Babys in den ersten Lebensmonaten so gut wie keinen Tag-Nacht-Rhythmus haben und diesen erst erlernen, wäre es eine gute Option sich im Vorfeld zu überlegen, wie ihr die Nachtdienste regeln wollt. Damit beide Elternteile mindestens ein paar Stunden am Stück schlafen können.

Aufgaben verteilen

Genauso wichtig ist es, dass Paare gerade in der Anfangszeit auch noch Zeit für einander haben. Natürlich ist das theoretisch immer einfacher zu planen, als es dann in die Praxis umzusetzen. Dennoch empfiehlt es sich, anfallenden Aufgaben fair aufzuteilen, sich ggf. Unterstützung durch Familienmitglieder zu holen und möglichst viel gemeinsam zu machen sowie sich gleichzeitig gegenseitig zu entlasten.

Die Zeit nach der Geburt zusammen gestalten

Hier bietet sich die Elternzeit an. Sie ermöglicht frischgebackenen Eltern durch Freistellung mit finanzieller Unterstützung, ihre Berufstätigkeit zu unterbrechen oder zu reduzieren. In den ersten 12 beziehungsweise 14 Lebensmonaten des Kindes ersetzt das Elterngeld 65 bis 67 Prozent des Nettoeinkommens. Eine Variante wäre auch für dich als Vater, die Elternzeit direkt an den Anfang zu legen. Es sind aber viele Kombinationen möglich.

Eine Hebamme

Grundsätzlich sind frischgebackene Eltern am Anfang im Umgang mit dem neugeborenen Baby ziemlich unsicher. In diesem Fall ist eine Hebamme, die in den ersten Wochen Hausbesuche macht eine besondere Hilfe. Gerade am Anfang haben Eltern doch noch viele Fragen, die ihre Hebamme gern ausführlich beantwortet. Außerdem hilft und unterstützt sie im Umgang mit dem Säugling. Sie zeigt wirkungsvolle Handgriffe und Tricks. Eine gute Hebamme wird euch darüber hinaus das Leben erleichtern.

Eltern und Freunde

Bei der Familie und den Freunde kannst du bei aufkommenden Problemen extrem gut deine Fragen loswerden. Selbstverständlich können auch eure Eltern eine sehr große Hilfe sein. Sie haben eine ganz andere Sichtweise und Abgeklärtheit und geben oftmals hilfreiche Tipps.

Einfach machen

Fast alle werdenden Eltern lesen sich unzählige Babylektüren und Eltern-Ratgeber durch. Bringt das eigentlich was? Vielleicht ein wenig aber oft ist es besser mehr auf die eigene Intuition und sein Gefühl zu hören. Es kann nämlich durchaus passieren, dass Eltern durch die unzähligen Informationen aus Zeitschriften oder Büchern nach Schema „F“ agieren und dabei die Einzigartigkeit ihres Kindes übersehen.

Neue Dinge sind zuerst immer komisch

Natürlich kann es seltsam sein und mag sich vielleicht auch beängstigend anfühlen, wenn du dein Baby das erste Mal anziehst, wickelst oder badest. Diese neuen Dinge führen manchmal dazu, dass du dich gerade am Anfang unsicher fühlst und sie dich aus deiner Komfortzone holen. Versuche diese neue Situation einfach geschehen zu lassen, denn das schärft die Sinne.

Viele frischgebackene Väter wissen leider gerade in der ersten Zeit nichts mit dem Baby anzufangen. Es gibt aber mehr Möglichkeiten als du vielleicht gerade denkst, ohne dass du warten musst, bis dein Nachwuchs soweit ist und z.B. Fußball spielen kann. Du wirst schnell merken, dass auch ein Papa viel mit dem Säugling anstellen kann. Körperkontakt mit dem Säugling führt dazu, eine starke Bindung zwischen euch aufzubauen und macht unvergleichlich viel Spaß!

  • Gemeinsam Zeit verbringen: In den ersten Lebensmonaten schlafen Säuglinge normalerweise sehr viel. Im Mutterleib hatte das Kind immer eine Geräuschkulisse, wie das Rauschen des Blutes, den Herzschlag der Mutter oder die Geräusche, die von außerhalb des Mutterleibes kamen. Deshalb ist es nicht notwendig, dass es Mucks - Mäuschen Still ist, damit das Baby schlafen kann.

Es passiert nämlich durchaus, dass es bei absoluter Stille weniger gut schläft. Du kannst dein Baby beispielsweise mit ins Arbeitszimmer nehmen, wenn dort Musik läuft, du telefonierst oder an deinem Laptop arbeitest, es wird dennoch gut ein- oder weiterschlafen

  • Gemeinsame Spaziergänge: Sei es mit dem Kinderwagen oder mit einem Tragesystem. Die frische Luft tut nicht nur den Kleinen gut. Tipp: Achte dabei auf die „Fütterungsintervalle“, damit der Spaziergang nicht in Stress und Hektik ausartet.
  • Gemeinsame Hausarbeit: Gerade bei der anfallenden Hausarbeit, lässt sich das Baby prima, dank Tragesysteme, umschnallen und los geht’s.
  • Gemeinsame Nickerchen: Gerade Säuglinge wollen in der Anfangsphase viel schlafen. Deshalb bietet es sich für dich an, dass auch du eines der vielen Nickerchen, die dein Baby über den Tag verteilt macht, mithälst. Nimm dein Baby, leg es dir z.B. auf den Bauch, dann platziere dich in die Mitte des Bettes, ziehe eine dünne Decke über euch und schon kann die kleine Ruhepause beginnen.

Vater und neugeborenes Baby schlafen

  • Gemeinsames Baden oder Duschen: Babys lieben Körperkontakt, Deshalb ist es ein unvergleichbar schönes Erlebnis mit dem Baby in die Badewanne zu gehen. Aber Vorsicht: Das Wasser darf auf keinen Fall zu heiß sein. Hier eignen sich hervorragend Wasserthermometer
  • Gemeinsames Kuscheln: Wie gesagt, lieben Babys Hautkontakt. Über das Stillen wird dieser Kontakt zwischen Mutter und Kind regelmäßig hergestellt aber auch du kannst Hautkontakt aktiv gewährleisten indem du in einem gut beheizten Zimmer, euer Kind bis auf die Pampas ausziehst und dir auf deine nackte Brust legst.
  • Babymassage
  • Füttern: Nicht jede Frau kann voll stillen und früher oder später werdet ihr ggf. auf die Flasche umstellen. Hier kannst du gut Fütterungszeiten des Babys übernimmen.
  • Wickeln

Es ist leider auch möglich, dass du in ein Loch fällst

Gar keine Frage, die Geburt ist auch für dich ein Wahnsinnserlebnis. Sie ist der Beginn von etwas vollkommen Neuem. Es bricht eine neue Zeit an, in der sich unfassbar viel für dich ändern wird. Bis zur Geburt eures Kindes gab es nur dich und deine Partnerin. Ihr seid bis zu diesem Zeitpunkt füreinander die wichtigsten Menschen. Dann tritt ein Kind in euer Leben und du wirst merken, dass sich vieles drastisch ändert. Es gibt durchaus Männer, die mit dieser Veränderung große Probleme haben. Sie fühlen sich oftmals als das fünfte Rad am Wagen, denn alles dreht sich jetzt nur noch um das Kind. Wenn du meinst, dass du eventuell zu wenig beachtet wirst, lass dich davon bloß nicht beeinflussen. Versuche stattdessen lieber, dich aktiv in das Familienleben einzufügen und nehme aktiv an eurem neuen Leben teil.

Vater sein - Der Väterinstinkt

Es gibt niemanden, der an den Mutterinstinkt zweifelt. Doch wie sieht es eigentlich mit dem Vaterinstinkt aus? Auch wenn du dieses Wort noch nie gehört hast, bedeutet es nicht, dass er nicht exerziert. Er ist genauso vorhanden und wird geweckt, wenn du erfährst, dass du Vater wirst. Er sorgt dafür, dass du eine neue Rolle in der Partnerschaft einnimmst und sofort in den Beschützermodus gerätst. Du fängst an, über eure Zukunft nachzudenken und überlegst, wie Du deine wachsende Familie ernähren kannst. Der Vaterinstinkt hat allerdings ganz andere Schwerpunkte als der Mutterinstinkt. Mutter Natur hat uns absichtlich unterschiedliche Sichtweisen und Aufgaben zur Verfügung gestellt und diese findet man in unseren Instinkten wieder. Versuche dir den Vaterinstinkt bewusst zu machen und vertraue auf ihm. Es ist sinnvoll und wichtig, dass du in deinem Verhalten und in deinen Denkweisen ganz anders bist als deine Partnerin.

Ein Tipp: Versuche nicht, ein schlechtes Mutter-Imitat zu werden, sondern sei einfach ein gutes Vater-Original. Diese Einstellung wird mit Sicherheit, den Umgang mit deinem Baby erleichtern.

Im Idealfall bist du komplett anders als deine Partnerin. Du tobst wilder mit eurem Nachwuchs, bist einfach körperlicher, machst mehr Unsinn und traust eurem Kind mehr zu als seine Mutter. Und das ist auch gut so, Kinder lieben und brauchen diese Gegensätze für ihre Entwicklung. 

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Versuche auf gar keinen Fall eine männliche Mutter darzustellen, sondern sein ein waschechter Vater. Sei der Vater, der du sein möchtest und finden deinen ganz eigenen Stil.


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