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Vater werden - Die Geburt

Maik Schwede

Werdende Väter beschäftigen sich oft mit den Gedanken, ob sie bei der Geburt ihres Kindes dabei sein sollen oder lieber doch nicht. Durchstöbert man das Netz trifft man immer wieder auf die Frage: „Soll ich bei der Geburt unseres Kindes dabei sein?“ In diesem Beitrag möchten wir dich als werdender Vater auf die bevorstehende Geburt vorbereiten, indem wir dich darüber informieren, welche Vorbereitung du treffen kannst, was dich während der Geburt eures Kindes erwartet und wie du mit aufkommenden Ängsten besser umgehen kannst.

Eins vorweg: Mit großer Wahrscheinlichkeit sind wir sowieso die letzte Generation, die sich überhaupt die Frage stellt, ob man als Vater bei der Geburt des Kindes dabei sein soll oder nicht. Diese Einstellung ist nun einmal ein Überbleibsel aus der Vergangenheit. Damals war es üblich und völlig normal, dass Frauen alleine im Kreißsaal das Kind gebären mussten und werdende Väter draußen warteten. Nach der Geburt haben sie dann, die frisch gebadeten Kinder zum ersten Mal in die Arme nehmen dürfen. Wir empfehlen dir aber als werdender Vater, unbedingt bei der Geburt eures Kindes dabei zu sein! Deine Teilnahme hat nicht nur für deine Partnerin und euer ungeborenes Kind Vorteile, auch du wirst daraus in vielerlei Hinsicht profitieren. Nicht nur weil die Geburt eines Kindes ein absolut einzigartiges Erlebnis darstellt, da alles mega spannend und total aufregend ist. Auch die Beziehung zu deinem Kind wird deutlich gefestigt, wenn du es von Anbeginn seines Lebens begleitest. Selbst deine Partnerin wird sich wohler und sicherer fühlen, wenn du als werdender Vater mit dabei bist. Sicher, du kannst als Mann bei der Geburt nicht sehr viel ausrichten aber, wenn dein Beitrag auch nur darin besteht, deine Partnerin zu unterstützen und dass sie sich geborgen und wohl fühlt, ist das ein überaus wichtiger Beitrag, den du leisten kannst.

Angst davor, bei der Geburt hilflos zu sein.

Es kann durchaus passieren, dass in dir ein mulmiges Gefühl in der Magengegend aufsteigt, je näher der Tag der Geburt rückt. Das passiert häufig, wenn es das erste Kind ist. Ein Grund für dieses Gefühl könnte die Tatsache sein, dass du nur erahnen kannst, was während einer Geburt passiert und was dich ggf. erwarten könnte. Darum ist es ein richtig guter Anfang, dich frühzeitig darüber zu informieren, was bei einer „normalen Geburt“ auf dich bzw. euch zukommen wird. 

zwei Väter unterhalten sich über die Geburt

Die Ankunft im Krankenhaus

Sobald ihr in eurem Wunsch-Krankenhaus angekommen seid, geht es zuerst darum, deine Partnerin anzumelden. Dies solltest du unbedingt zu deiner Aufgabe machen. Deine Partnerin ist nämlich in dieser Phase mit ganz anderen Dingen beschäftigt und hat durchaus extrem starke Schmerzen. Das Anmelden ist kein großer Akt und dauert nicht lange. Wichtig ist, dass ihr bzw. du an die benötigten Unterlagen denkt.

  • Überweisung vom Frauenarzt
  • Krankenkassenkarte
  • Geburtsurkunden der werdenden Eltern
  • Personalausweis der Frau

Auf der Station

Sobald ihr in eurem Geburtszimmer angekommen seid, wird sich die diensthabende Hebamme bei euch vorstellen, die euch während der Geburt zur Seite steht. Außer ihr bringt eine eigene Hebamme mit. Sie wird sofort das weitere Vorgehen meist gründlich mit euch besprechen. Es folgt bei einer
Spontangeburt“ eine Muttermunduntersuchung und ein CTG.

Zu Beginn der Geburt befindet sich deine Partnerin in der sogenannten Eröffnungsphase. In dieser Geburtsphase öffnet sich durch Wehenkraft der Muttermund. Diese Phase kann über mehrere Stunden gehen. Deine Partnerin kann sich zu diesem Zeitpunkt noch frei Bewegen und wird von der Hebamme eventuell auch dazu animiert noch einen Spaziergang zu tätigen oder sie fragt, wenn das Krankenhaus dieses anbietet und damit ausgestattet ist, ob deine Partnerin ein warmes Bad nehmen möchte. Vielleicht möchte deine Partnerin jetzt verschiedene Positionen und Haltungen ausprobieren, um herauszufinden was ihr unter den Wehen gut tut und diese etwas erleichtert.

Das Baby kommt!

Sobald deine Partnerin während der Geburt die Eröffnungsphase und Übergangsphase hinter sich gebracht hat wird es ernst, der Muttermund hat jetzt die benötigten 10 cm, um mit der Austreibungsphase das Kind zu gebären. Das bedeutet aber nicht, dass das Kind jetzt sofort kommt, aber ihr seid auf der Zielgeraden. Das Kind rutscht nun tiefer ins Becken. Hierbei darf die werdende Mutter sich frei im Raum bewegen und ausprobieren, welche Haltung ihr am angenehmsten ist. Eventuell habt ihr im Vorfeld schon besprochen, welche Möglichkeiten deine Partnerin während der Geburt ausprobieren möchte.

Leider verläuft nicht jede Geburt komplikationslos! Von daher ist es immer ratsam zu wissen, was eventuell passieren kann. Sollte es nämlich vorkommen, dass ein Problem während der Geburt eures Kindes auftritt, gerätst du nicht gleich in Panik, sondern hast im Vorfeld schon davon gehört und weißt, was jetzt die nächsten Schritte sein könnten. So ist es für dich leichter, Ruhe zu bewahren, da es in unvorhergesehenen Situation vorkommen kann, dass Hebammen und Ärzte zu diesem Zeitpunkt keine Zeit haben, die Vorgänge zu erkläre, weil jetzt alles sehr schnell gehen muss.

Sich gemeinsam gut mental auf die Geburt vorzubereiten und mögliche Schritte im Vorfeld abzusprechen, hilft deiner Partnerin und dir ggf. schnelle Entscheidungen bei Komplikationen zu treffen; (z.B., ob es eine PDA geben soll, falls die Schmerzen zu stark werden oder welche Medikamente deine Partnerin verträgt, sollte es beispielsweise Allergien geben). In einigen Fällen kann es auch vorkommen, dass das ungeborene Kind falsch liegt z.B. in der Becken - oder Steißlage. Wenn dieser Fall eintritt, werden Ärzte und Hebammen den Fall individuell beurteilen und mit euch beraten, ob das Kind noch auf normalem Wege kommen soll oder ob ein Kaiserschnitt notwendig wird. Auch Wehenschwäche unter der Geburt ist im Einzelfall möglich. Die Wehen sind dann nicht mehr stark genug, um die Geburt voranzubringen.

Dies sind nur Beispiele dessen, was während einer Geburt passieren kann. Habe eins immer im Hinterkopf, Hebammen, Krankenschwestern und Ärzte, die euch bei der Geburt eures Kindes unterstützen, sind Profis und bringen tagtäglich Kinder auf die Welt. Hab Vertrauen in ihre Fähigkeiten und gehe mit gutem Gewissen an die Geburt eures Kindes heran. Dann wirst du dich wesentlich besser und geborgener fühlen.

Frau im Krankenhaus liegt im Bett

Ratschläge, die du eventuell schon einmal gehört oder gelesen hast

  • Informiere dich vorher über die Dinge, die während der Geburt passieren. Erkundige dich vor allem über den Ablauf, um eventuell nicht zwischendurch unnötige Fragen stellen zu müssen und damit u.U. den Geburtsablauf zu stören.
  • Die Nabelschnur nach der Geburt zu durchtrennen, ist die Aufgabe des Papas: Sobald euer Kind auf der Welt ist, kommt die Zeit, in der du dich entscheiden darfst, die Nabelschnur selbst zu durchtrennen. Deine Aufgabe ist es, euer Kind von der Mutter zu trennen.
  • Lauf nicht gleich nach der Geburt raus: Endlich, nach so kräftezehrenden Stunden, mitfiebernden und emotionalen Momenten für deine Frau und dich, ist euer Kind endlich da. Mache jetzt bloß nicht den Fehler und renne gleich ans Handy, um sofort Familie und Freunde zu kontaktieren und die freudige Nachricht in die Welt zu schicken. Genießt erst einmal diesen unvergleichlich seltenen Moment mit deiner Familie. Kuschelt gemeinsam und sei einfach stolz auf deine Partnerin, auf euer Baby und auf dich.

Ratschläge, die dir Mütter geben würden

  • Deine Partnerin möchte sich begleitet fühlen: Verständlich, dass du Angst und ein komisches Gefühl hast, wenn es um die Geburt eures Kindes geht. Aber überlege doch einmal, wie es wohl deiner Partnerin in dieser Situation ergeht. Sie braucht, um sich körperlich und mental voll auf die Geburt einstellen zu können, dich als Fels in der Brandung.
  • Es ist für sie extrem wichtig, dich an ihrer Seite zu wissen. Nimm ihr die Dinge ab, um die sie sich jetzt nicht kümmern möchte und auch nicht soll. Wie z.B. die ganzen Formalitäten rund um das Anmelden bei der Ankunft im Krankenhaus.
  • Achte während der Geburt besonders gut auf die Körpersprache deiner Partnerin, da es ihr vielleicht unter den Wehen schwer fallen könnte zu sprechen. Versuche zu erahnen, was ihr jetzt besonders gut tut. Biete ihr zwischendurch etwas zu trinken an oder frage sie, wenn die Geburt sehr lange dauert, ob sie etwas Essen möchte. Eventuell kannst du ihr während der Wehen ein kaltes Tuch auf die Stirn oder in den Nacken legen. Vielleicht möchte sie auch massiert werden oder helfe ihr bei der Atemtechnik. Stütze sie bei den verschiedenen Positionen, die sie eventuell einnehmen möchte.

Ratschläge, die dir Väter geben würden

  • Du brauchst und muss nicht alles sehen: Keiner verlangt von dir, dass du dich während der Geburt eures Kindes an das Fußende stellst. Da du deiner Partnerin am Kopfende sowieso viel mehr hilfst als bei den Füßen.
  • Stell nicht immer Fragen: Natürlich sind deine Fragen gut gemeint und nicht von schlechter Absicht, da sie aus einer gewissen Unsicherheit in der Situation resultieren. Dennoch kann es den Zustand deiner Frau empfindlich stören, wenn du den Geburtsvorgang durch ständige Fragen an Hebammen, Ärzten und deiner Frau immer wieder unterbrichst.
  • Du bist nicht im Zimmer eingeschlossen: Viele Geburten sind ein über mehrere Stunden andauernder Prozess. D.h. aber nicht, dass du im Zimmer gefesselt bist. Solltest du einmal das Zimmer verlassen wollen und deine Partnerin ist nicht gerade in der Geburtsphase, dann nehme dir ruhig einmal eine Auszeit

Meine Aufgaben (Rolle) bei der Geburt

Vorab ist es empfehlenswert, dass du dich mit dem, was während einer Geburt passiert auseinandersetzt auch wenn es nur theoretisch ist. So kannst du z.B. mit deiner Partnerin darüber sprechen, welches deine Aufgaben bei der Geburt sein könnten. So definierst du deine Rolle bei der Geburt viel einfacher und besser. Oftmals ist es auch sinnvoll Zeichen abzusprechen, die wenige Worte bedürfen. Sei  dir darüber im Klaren, dass deine Hauptaufgabe darin liegt, deine Partnerin bei der Geburt eures Kindes so gut es geht zu unterstützen.

Hier ein paar Beispiele:

  • Sie bei den unterschiedlichsten Geburtspositionen zu stützen und zu halten.
  • Sie zu massieren oder zu streicheln
  • Solltet ihr im Geburtsvorbereitungskurs eine Atemtechnik gelernt haben, ihr dabei zu helfen oder sie ggf. daran zu erinnern
  • Die Formalitäten zu übernehmen
  • Ihr immer etwas zu trinken anzubieten
  • Mit der Anwesenheit einfach nur zu vermitteln, dass du da bist.

Keiner verlangt von dir, dass du bei der Geburt irgendein Motivationstrainer imitierst, der jeder Wehe bejubelt und mit deiner Partnerin abklatscht. Beobachte sie und erkenne, wann sie Zuspruch braucht und motiviere sie dazu durchzuhalten.

Die Befürchtung davor, die Partnerin nach der Geburt vielleicht mit anderen Augen zu sehen

Werdende Väter beschäftigen sich häufig mit der Frage, ob sie ihre Partnerin nach der Geburt eines Kindes sexuell noch attraktiv finden. Diese Angst lässt sich schnell nehmen, wenn du während der Geburt, besonders in den letzten Minuten oberhalb der Gürtellinie stehen bleibst. Außerdem solltest du versuchen, diese Befürchtung in etwas Positives zu verwandeln. Zusammen steht ihr vor einer großen Herausforderung und warum solltest du deine Partnerin danach nicht mit anderen Augen sehen wollen? Sie ist schließlich die Frau, die mit viel Kraft und Anstrengung euer gemeinsames Kind zur Welt gebracht hat. So ein wundervolles Ereignis erlebst du wahrscheinlich mit nur einem Menschen und das sollte doch zusammenschweißen und nicht distanzieren.

Fazit: Auch wenn du vielleicht Ängste vor der Geburt eures Kindes hast, gibt es im Vergleich dazu noch einen viel größeren Schrecken, nämlich das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Dieses Gefühl wird sich mit der Zeit in Bedauern umwandeln nicht bei der Geburt eures Kindes dabei gewesen zu sein und das wirst du eventuell dein ganzes Leben nicht mehr los.

Vater wiegt Neugeborenes

Deine Checkliste zur Geburt eures Kindes

Du wirst merken, dass deine Partnerin je näher der Geburtstermin rückt anfangen wird, ihre Kliniktasche zu packen. Um als werdender Vater selbst gut vorbereitet und für alle Umstände und Eventualitäten gewappnet zu sein, empfiehlt es sich, dass auch du, deine sieben Sachen zusammen suchst. So bist auch du gut gerüstet, wenn die Geburt sich vielleicht über einen längeren Zeitraum hinstreckt. Deshalb findest du am Ende dieses Beitrags deine ganz persönliche Checkliste, die du bei uns downloaden kannst, um sie in Ruhe auszufüllen und ggf. zur Hand hast.

  • Getränke: Natürlich wirst du im Krankenhaus Tee, Wasser und Kaffee bekommen; möchtest du aber gerne unabhängig sein oder etwas anderes trinken wollen, bringe es dir einfach mit.
  • Essen: In den meisten Fällen ist für deine Partnerin gesorgt. Häufig kommen die Männer aber zu kurz dabei. Bringe dir deshalb von zu Hause ggf. Snacks mit, damit du während der Geburt nicht mit einem leeren Magen dastehst. Hiermit meinen wir nicht ausschließlich Süßigkeiten, sondern es sollte schon etwas Vernünftiges sein.
  • Etwas zu Lesen (Zeitschriften): Die erste Zeit (Eröffnungsphase) ist meist sehr langwierig und im Vergleich zum Fortschreiten der Geburt unspektakulär und eventuell stehen auch einige Untersuchungen an. In dieser Zeit kann es äußerst ratsam sein, sich etwas Lesestoff mitzunehmen.
  • Kleingeld: Eventuell möchtest du dir zwischendurch einmal die Beine vertreten und dir aus dem Getränke-/ Süßigkeiten-Automaten etwas holen.
  • Eigene Musik: Vielleicht möchtet ihr während der Geburt eure Lieblingsmusik hören oder entspannende Klänge, viele Krankenhäuser bieten dies an.
  • Wechselkleidung: Ein frisches T-Shirt oder ein warmer Pullover, da es unter Umständen doch einige Zeit dauern kann, bis euer Baby das Licht der Welt erblickt. Solltest du vorher absehen können, dass du eventuell direkt von der Arbeit aus ins Krankenhaus fahren wirst, könnte es auch ratsam sein, sich gemütliche Wechselkleidung einzupacken.
  • Hygieneartikel: Auch wenn ihr nicht vorhabt über mehrere Tage im Krankenhaus zu bleiben, ist es doch angenehm, sich nach mehreren Stunden einmal frisch zu machen ggf. Deo und Zahnbürste (Zahnpasta)
  • Nackenrolle: eine Nackenrolle kann dir enorm dabei helfen, auch im Sitzen etwas zu entspannen und ggf. ein kleines Nickerchen zu halten, wenn es doch länger dauert.
  • Handy: Natürlich sollte das Handy nicht fehlen, um Fotos zu machen und Familienangehörige, Freunde und Bekannte zu informieren, sobald euer Baby geboren wurden ist und die Zeit es zulässt.
  • Ladegerät: Falls der Akku des Handy nach ca. 20 Stunden versagt.

 

Checkliste für werdende Väter

 

Die Geburt eures gemeinsamen Kindes ist ein extrem schöner Moment. Fühle dich nicht als „Fünftes Rad“ am Wagen, denn das bist du nicht. Neugeborene können sich von Beginn an auf zwei feste Bezugspersonen einstellen. Du wirst neben der Mutter die andere Nummer eins für euer Kind sein – und das von Anfang an.

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Das Team von swing2sleep rät: Trefft die Entscheidungen rund um das Thema Geburt gemeinsam und lasst euch nicht von anderen Leuten hereinreden oder den Standard anderer aufzwängen.


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