Vaterschaftsurlaub beantragen: Step by Step erklärt

Zugegeben: Der Begriff Vaterschaftsurlaub ist etwas irreführend. Handelt es sich bei diesem saloppen Begriff doch um nichts anderes, als um die Elternzeit für Väter, um mehr Zeit mit dem Nachwuchs zu verbringen. Begrifflichkeiten hin oder her: Was gibt’s zu beachten und wie gehen werdende Papas vor? Alle Infos rund ums Thema Vaterschaftsurlaub haben wir.

Vaterschaftsurlaub beantragen

Vaterschaftsurlaub: Immer mehr Väter gehen in Elternzeit

Auch wenn wir uns in einer Zeit der Emanzipation und Gleichstellung befinden, so fallen doch viele Paare nach der Geburt eines Kindes zumindest zeitweise wieder in klassische Rollenmodelle. Oftmals ist es die Mutter, die zu Hause bleibt und Elternzeit nimmt, während der (männliche) Partner rasch wieder arbeiten geht.

Doch es ist auch ein Wandel zu beobachten. Was früher gesellschaftlich fast undenkbar war, wird heute dankenswerterweise zunehmend Normalität: Immer mehr Väter gehen für einen oder mehrere Monate in Elternzeit und übernehmen ganz oder teilweise die Versorgung des Kindes. Ungefähr ein Drittel aller Männer entscheiden sich dafür. Man spricht dann umgangssprachlich von einem Vaterschaftsurlaub.

Von “Urlaub” im klassischen Sinne kann allerdings kaum die Rede sein. Denn auch wenn man während der Elternzeit nicht arbeiten muss, so ist die Zeit zu Hause mit einem neugeborenen Baby oder einem Kleinkind durchaus herausfordernd. Aber eben auch wunderschön und kostbar: Weswegen die Elternzeit für Väter wie auch für Mütter so besonders ist.

Wie viel “Vaterschaftsurlaub” kann man beantragen?

Für jedes Kind können Eltern maximal 36 Monate Elternzeit nehmen. Dabei können Mama und Papa flexibel untereinander aufteilen, wer zu welchem Zeitpunkt Elternzeit beantragt und ob alleine oder gemeinsam. Ganz so, wie es eben zu dem jeweiligen Familienmodell passt. Allerdings: 12 Monate müssen in den ersten drei Lebensjahren des Kindes liegen. Die restlichen 24 Monate könnt ihr zwischen dem dritten und dem achten Lebensjahr eures Kindes nehmen – also auch dann, wenn der Sprössling in die Grundschule kommt und hierfür besonders viel Unterstützung braucht.

In dieser Zeit könnt ihr statt eures Gehaltes das sogenannte Elterngeld beziehen. Die genaue Höhe orientiert sich am zuvor verdienten Gehalt. Ihr bekommt mindestens 300 Euro, maximal 1800 Euro pro Monat. Mehr Infos dazu findest du weiter unten in diesem Artikel.

Du kannst aber auch jederzeit Vaterschaftsurlaub beantragen, ohne Geld zu beziehen. Das ist aber nur wenig sinnvoll für die meisten Familien, da es dann keinen finanziellen Ausgleich gibt.

Wer hat Anspruch auf Vaterschaftsurlaub?

Väter in Deutschland haben Anspruch auf Elternzeit. Jeder werdende Papa kann bei seinem Arbeitgeber den Antrag auf Vaterschaftsurlaub stellen. Dabei musst du nicht zwangsweise mit der Mutter des Kindes in einer Partnerschaft leben oder verheiratet sein. Wenn du während deines Vaterschaftsurlaubs einen Ausgleich für deinen Lohnausfall beantragen möchtest, kannst du für einen gewissen Zeitraum Elterngeld beziehen. 

Elternzeit für Väter: Folgende Kriterien musst du erfüllen

  • Du bist Arbeitnehmer, ganz egal, ob Vollzeit, Teilzeit oder Mini-Job.
  • Du arbeitest während deines Vaterschaftsurlaubs nicht oder nur in Teilzeit. Du darfst eine bestimmte Wochenstundenzahl von 32 Stunden bzw. 30 Stunden (falls dein Kind vor dem 01. September 2021 geboren wurde) nicht überschreiten. 
  • Du hast einen Arbeitsvertrag, der nach deutschem Recht geschlossen wurde und/oder du arbeitest in Deutschland. Du musst allerdings nicht in Deutschland leben. 
  • Du lebst gemeinsam mit deinem Nachwuchs in einem Haushalt und übernimmst die Betreuung selbst. 
  • Es handelt sich um dein leibliches Kind oder das leibliche Kind deines/deiner Lebenspartner:in. Du kannst aber auch Vaterschaftsurlaub für dein Adoptivkind beantragen.
  • Auch Selbstständige können während ihres Vaterschaftsurlaubs Elterngeld beziehen. Das berechnet sich nach deinem Gewinn aus dem vorherigen Kalenderjahr. Als Nachweis musst du deine Steuererklärung einreichen. Am besten, du lässt dich hier einmal von der Elterngeldstelle beraten. 

Vaterschaftsurlaub beantragen: So geht’s

Die Elternzeit beantragst du bei deinem Arbeitnehmer mit Hilfe eines formlosen Schreibens. Du solltest dir aber vorab Überlegungen gemacht haben, wann und wie lange du die Auszeit für deine Familie nehmen möchtest. Diese schriftliche Erklärung zur Elternzeit musst du sieben Wochen vor dem errechneten Geburtstermin abgeben. Es muss aus dem Schreiben hervorgehe, wie lange du in Elternzeit bist und wann du den Wiedereinstieg in den Beruf planst. 

Damit ihr als Familie in der Zeit nach der Geburt aber auch finanziell abgesichert seit, gibt es vom Staat das Elterngeld, dass du für deinen Vaterschaftsurlaub beantragen kannst. Hierbei gibt es verschiedene Modelle: 

  • Basiselterngeld (kannst du maximal 12 Monate beantragen, mindestens 300 Euro und höchstens 1.800 Euro im Monat)
  • ElterngeldPlus (kannst du insgesamt 28 Monate inklusive Partnerschaftbonus beantragen, mindestens 150 Euro und maximal 900 Euro im Monat)
  • Partnerschaftsbonus (in Kombination mit dem ElterngeldPlus könntest du mit dem sogenannten Partnerschaftsbonus noch weitere vier Monate Geld erhalten)

Was die drei Modelle voneinander unterscheidet, erklären wir in unserem Artikel "Antrag&Berechnung Elterngeld" ausführlich. Grundsätzlich kannst du die verschiedenen Modelle für dich und deine Familie individuell miteinander kombinieren.

Das Elterngeld beantragst du nach der Geburt deines Kindes mit Hilfe eines Formulars bei deiner Elterngeldstelle, den du ganz einfach online findest. Du musst ihn entweder ausdrucken, ausfüllen und postalisch senden. In manchen Bundesländern gibt es aber auch schon komplett digitale Verfahren. Du benötigst zusätzlich zu dem Antrag noch das genaue Datum der Entbindung sowie einen Nachweis über die Geburt deines Kindes (Geburtsurkunde) sowie etwaige Arbeitsnachweise über die Höhe deines Einkommens. Alle Informationen zum Thema Elterngeld findest du in diesem Artikel. 

Deine Rechte während des Vaterschaftsurlaub

Während deines Vaterschaftsurlaubs hast du einen besonderen Kündigungsschutz, der etwa zwei Monate vor Beginn deines Vaterschaftsurlaubs beginnt. Zugleich hast du auch weiterhin Urlaubsanspruch in der Elternzeit. Dein Resturlaub verfällt in der Regel nicht.

Du hast die Möglichkeit, deinen Vaterschaftsurlaub zu verlängern – beispielsweise, wenn die Betreuung deines Kindes nach deiner Elternzeit nicht gesichert ist. Wir empfehlen, dass du auch während deiner Elternzeit immer mit deinem Arbeitgeber in Kontakt bleibst. Denn Pläne können sich ändern und eine offene Kommunikation ist in jedem Fall empfehlenswert.

Auch die Berechnung der Rente deines Vaterschaftsurlaubs wird als Kindererziehungszeit berücksichtigt. Aufgepasst: Wenn ihr euch zeitweise gemeinsam um das Kind kümmert, wird der Mutter automatisch die Erziehungszeit zugeordnet. Wenn deine Zeit ebenfalls mitgezählt werden soll, musst du die Rentenversicherung dazu so früh wie möglich informieren. 

Vaterschaftsurlaub: So gehst du es an

  1. Vereinbare einen Termin mit deinem Arbeitgeber (am besten mit der HR Abteilung und/oder mit deinem/deiner Vorgesetzten). Diesen Termin nutzt du, um deine Vaterschaft zu verkünden.
  2. Bereite dich auf die Besprechung vor und überlege dir bereits vorab, wie lange du Vaterschaftsurlaub nehmen möchtest und wann du den Wiedereinstieg planst. Je konkreter du bist, desto besser kann das Unternehmen planen. 
  3. Wenn es eine gute HR Abteilung in deinem Unternehmen gibt, können dir die Kolleg:innen hier auch Hilfestellung geben. Vielleicht bist du nicht der erste Papa, der Elternzeit beantragen möchte. Geh hier hoffen in die Kommunikation.
  4. Den Vaterschaftsurlaub reichst du mindestens sieben Wochen vor dem errechneten Geburtstermin ein (bzw. 13 Wochen vor Antritt deiner Elternzeit), wenn du diese nach dem dritten Geburtstag deines Sprösslings nehmen möchtest.
  5. Hole dir alle nötigen Informationen zum Thema Elterngeld ein. Dieser Artikel gibt dir guten Aufschluss. Übrigens: Unsere Eltern Checkliste gibt dir wiederum einen guten Überblick über alle Formulare und Anträge, die du auf dem Zettel haben solltest.
  6. Füll den Antrag zu Elterngeld bereits vor dem Geburtstermin so weit es geht aus (denn nach der Geburt eures kleinen Wunders steht deine Welt erst einmal Kopf, Formulare und Anträge werden dann zur Nebensache).