Alleinerziehender Vater: Das kommt auf dich zu

Getrennt, geschieden, verwitwet oder vielleicht von Beginn an alleine lebend. Ganz egal, wie deine Lebensumstände und was deine Gründe sind: Der Alltag als alleinerziehender Vater kann herausfordernd sein. Aber auch wunderschön. Wir haben konkrete Tipps für dich, wie du euer Papa-Kind-Glück aktiv gestalten kannst.

Alleinerziehender Vater? Immer mehr Papas übernehmen die Betreuung

Die Statistiken zeigen: Noch immer ist die Mehrheit der Alleinerziehenden weiblich und in der Regel die Kindesmutter. Laut dem Statistischen Bundesamt waren 2020 rund 2,09 Millionen Mütter und etwa 435.000 Väter im Jahr 2020 alleinerziehend in Deutschland. Dennoch ist ein tendenzielles Wachstum bei den alleinerziehenden Vätern zu verzeichnen. Immer mehr Papas übernehmen die Hauptbetreuung des Kindes- beispielsweise nach einer Scheidung.

Das hat übrigens nichts mit dem Sorgerecht zu tun. Als alleinerziehend gilt man dann, wenn man mit minderjährigen Kindern zusammenlebt, die Hauptbetreuung übernimmt und sie alleine erzieht. Anders gesagt: Auch bei geteiltem Sorgerecht kannst du alleinerziehender Vater sein. 

Worauf hat man als alleinerziehender Vater Anspruch?

Selbstverständlich haben alleinerziehende Papas die gleichen Ansprüche wie alleinerziehende Mütter. Das bedeutet zum Beispiel, dass du den sogenannten Betreuungsunterhalt erhältst, wenn dein Kind bei dir lebt. Aber noch weitere Dinge stehen wir zu. Hier ein kurzer Überblick:

  1. Unterhalt: Solltest du alleinerziehend sein – beispielsweise nach einer Trennung oder einer Scheidung – hast du Anspruch auf Unterhalt von der Mutter. Dabei gibt dir die Düsseldorfer Tabelle einen guten Überblick über die Höhe des Unterhalts. Sollte die Kindesmutter diesen nicht bereit sein zu zahlen, kannst du dich an das Jugendamt wenden. Die Mitarbeiter des Jugendamtes beraten und unterstützen dich bei der Durchsetzung des Unterhaltsanspruchs. Im Härtefall kannst du auch mit Hilfe eines Anwalts oder einer Anwältin den Unterhalt einklagen. 
  2. Kindergeld: Zusätzlich kannst du das vom Staat gezahlte Kindergeld beanspruchen. Das sind aktuell rund 200 Euro pro Monat für das erste und weitere 200 Euro das zweite Kind. 
  3. Kinderbetreuungskosten: Solltest du für Kita, Kindergarten, Tagesmutter oder Schulhort Geld aufwenden, kannst du diese Kosten von den Steuern absetzen. 
  4. Freistellung bei Krankheit des Kindes: Als alleinerziehender Papa kannst du dich bei Krankheit deines Kindes bis zu 20 Tage lang freistellen lassen, sofern das Kind unter 12 Jahre alt ist. Dafür bedarf es ein ärztliches Attest. 
  5. Elterngeld: Wenn du alleinerziehender Vater eines Neugeborenen bist, beantrage am besten Elterngeld, denn darauf hast du ein Anrecht. Es unterstützt dich finanziell, während du dich um dein Baby kümmerst. 
  6. Vater/Mutter-Kind-Kur: Was viele nicht wissen: Als alleinerziehender Vater kannst du rechtlich Anspruch auf eine Vater-Kind-Kur erheben. Die 21-tägige Kur soll als präventive Maßnahme gegen gesundheitliche Belastungen wirken. Dein Arzt oder deine Ärztin kann dir die Notwendigkeit der Kur bescheinigen.

Plötzlich alleinerziehender Vater- so kannst du dich besser organisieren

Gerade die ersten Wochen als alleinerziehender Vater können für dich und dein Kind sehr herausfordernd sein, denn plötzlich ist alles anders. Die Routine, die du vielleicht vorher mit deiner Partnerin oder deinem Partner hattest, wird völlig auf den Kopf gestellt und du merkst, dass du den gemeinsamen Alltag mit Kind neu koordinieren musst. Deswegen ist ein guter Plan das A und O. Damit du den Überblick nicht verlierst, solltest du auf Hilfsmittel setzen, die dir helfen können. Die sind zum Beispiel: 

  • ein guter Wandkalender
  • ein Ordner für Anträge und Papierkram 
  • ein Haushaltsplan

Schreib dir dann eine Liste – ganz egal ob mit Stift und Papier oder einer passenden App – und sammle die wichtigsten Aufgaben und Punkte für deinen Alltag als alleinerziehender Papa. Bestimme einen Tag in der Woche für den Großeinkauf. Frage dich, ob du die Wohnung selbst putzen möchtest oder dir Hilfe holen möchtest. Wann ist der beste Zeitpunkt für einen Waschtag? Und wie steht es um die Hobbies deines Kindes? Wiederkehrende Ereignisse wie Vereinsaktivitäten lassen sich gut planen und vielleicht kannst du dich mit anderen Vätern und Müttern vernetzen, um die Fahrwege aufzuteilen.

Sobald du die Alltagsaufgaben notiert hast, erstelle auf dieser Basis einen Wochenplan und bring alle Punkte in eine sinnvolle Struktur. Dabei bilden deine Arbeits- und die Kita- bzw. Schulzeiten den Rahmen. Natürlich kommen immer wieder Dinge dazwischen: Elternabende, Vorsorgetermine beim Kinderarzt, Krankheit, Freizeitspaß und Ausflüge mit der Schule. Dennoch: Die Wochenplanung ist ein Anker und gibt dir schon mal einen guten Rhythmus vor. Denn konkrete Pläne sind wichtig, um nicht in unnötigen Stress zu verfallen – und damit dein Kind nicht zu kurz kommt.

Alleinerziehernder Vater hat Kind auf den Schultern. Sie lachen

Alleinerziehender Vater: Die emotionale Aufgabe

Einerseits musst du den Alltag mit Kind alleine managen, andererseits kommt eine große, emotionale Herausforderung als alleinerziehender Vater auf dich zu. Du bist verantwortlich dafür, deinem Kind Stabilität zu geben. Eine Trennung oder der Verlust der Mutter ist extrem belastend für deinen Nachwuchs. Umso wichtiger ist es, dass du deinem Kind zeigst: Ich bin an deiner Seite. Und zwar unabhängig vom Alter. 

Sollte eine unschöne, schwierige Trennung oder Scheidung dich zu einem alleinerziehenden Vater gemacht haben, dann ist es menschlich, wenn du dich zeitweise über die Kindesmutter ärgerst oder du schlecht von ihr denkst. Dennoch: Mach deine Ex-Partnerin nicht vor deinem Kind schlecht. Eine gute Beziehung zwischen deinem Nachwuchs und der Mutter ist nachhaltig wichtig für eine stabile Entwicklung.

Besonders wichtig: Ein gutes Hilfsnetzwerk

Es kann manchmal überfordernd sein, alleine für ein Kind verantwortlich und emotional eine Stütze zu sein. Deswegen ist es für alleinerziehende Väter (und natürlich auch Mütter) wichtig, ein gutes Umfeld aus Freund:innen und Verwandten zu haben. Oftmals können auch die Großeltern deines Kindes im Alltag und an den Wochenenden unterstützen. Habe also keine Scheu, nach Hilfe zu fragen. Versuche dir den Beistand zu holen, den du brauchst. Du kannst auch immer auf behördliche Förderung zurückgreifen. Denn auch wenn du am liebsten rund um die Uhr der Super-Papa für dein Kind sein möchtest, vergiss darüber hinaus nicht: du bist ein Mensch. Und jeder Mensch braucht manchmal Hilfe. Das ist vollkommen okay so!

Alleinerziehend sein ist keine leichte Aufgabe

Egal ob alleinerziehender Vater oder alleinerziehende Mutter, ein Kind weitestgehend alleine beim Großwerden zu begleiten ist keine einfache Aufgabe. Sich dabei selbst nicht zu verlieren, ist für die mentale Gesundheit äußerst wichtig. Achte auf dich, versuche dir Zeit einzuplanen, in denen du deinen Interessen nachgehen kannst, dich mit Freund:innen triffst oder einem neuen Hobby nachgehen kannst. 

Die Zeit mit deinem Kind ist unersetzlich und wertvoll. Sie bedeutet aber nicht, dass du ewig allein bleiben musst. Eine neue Partnerin oder ein neuer Partner wird euer Leben vielleicht erneut auf den Kopf stellen, kann aber eine positive Bereicherung eures Lebens als kleine Familie darstellen und euch letztlich ergänzen.