Schütteltrauma | Schreibabys in Lebensgefahr | Bitte nicht schütteln

Schütteltrauma | Schreibabys in Lebensgefahr | Bitte nicht schütteln
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Schütteltrauma – Ein schreiendes Baby kann Eltern um den Verstand bringen. Das Kind zu schütteln, ist jedoch eine gefährliche Reaktion. Die Folgen sind oft schwere Hirnschäden.

Wenn das Baby schreit und schreit und immer, immer weiter schreit… dann ist es grundsätzlich schon verständlich, dass Eltern nicht mehr ein und nicht mehr aus wissen. Sorge, Hilflosigkeit und Wut wechseln sich ab, genau so wie die Positionen, in denen man das Baby herumträgt – auf der Schulter, über dem Arm, im Tragetuch… es gibt einfach Zeiten, zu denen anscheinend nichts, aber auch gar nichts dem schreienden Zwerg zu helfen scheint.

 

Leider besteht genau dann die Gefahr, dass der ohnehin schon sehr strapazierte Geduldsfaden von  Mama oder Papa reißt. Die Wut erreicht ihren Höhepunkt und woran lässt man den Frust ab? Am Baby. Und das, obwohl die Eltern eigentlich ganz genau wissen, dass ihr Baby nichts dafür kann, dass es so schreit. Und dass es das ganz sicher auch nicht absichtlich macht oder möglicherweise, um seinen Eltern zu ärgern. Wenn Baby schreit, drückt der Schuh. Wenn Eltern es nicht beruhigen können, wissen sie nicht, was sie dagegen unternehmen können und wo genau das Problem liegt – wie auch, das Baby kann schließlich noch nicht sprechen und sagen, was Sache ist.

Die Folge: Jahr für Jahr werden 100 – 200 Babys in Kliniken gebracht, die von ihren Eltern aus lauter Wut und purer Verzweiflung geschlagen oder auch geschüttelt wurden. Das Fatale daran: etwa ein Drittel aller Babys sterben an den Folgen.

Schütteltrauma  mit schlimmen Folgen

Da das Gehirn von Babys noch ziemlich leicht verletzbar ist, hat das Schütteln des Kindes fast immer gravierende Folgen. Bei den Babys, die ein Schütteltrauma erleiden, trägt die Hälfte einen bleibenden Schaden davon – sie sind schwer behindert, blind oder leiden unter häufigen Krämpfen. Jedes dritte Kind überlebt das Schütteltrauma nicht.

Wenn Eltern also meinen, dass sie ihr Kind lieber schütteln, damit es „zur Besinnung kommt“, als dass sie es schlagen, unterliegen einem fatalen Irrtum. Stehen diese Eltern später vor Gericht, geben sie oft zu, dass ihnen nicht bewusst war, was das Schütteln für fatale Folgen haben kann. Ganz klar: das wiederum soll natürlich auch kein Freibrief sein, das Baby stattdessen zu schlagen.

Das Fazit daraus ist ganz klar: Ein Kind sollte niemals, unter gar keinen Umständen in irgendeiner Weise geschüttelt werden – egal, wie viel es schreit und egal, wie es euch dabei geht. Die Schäden, die es davontragen kann und die sowohl ihr als auch euer Kind dann aushalten müsst, sind viel weitreichender als ein paar Wochen Geschrei.

Schütteltrauma – die ersten Anzeichen

Wenn ein Kind zu heftig geschüttelt wurde, ist ihm das leider von außen nicht anzusehen: die Folgen, die sich als erstes zeigen, sind z.B. Erbrechen, Unruhe oder auch Abgeschlagenheit, Schreckhaftigkeit, Epilepsie oder Herzrhythmusstörungen. Ärzte lernen bereits in ihrem Studium, in solchen Fällen genauer hinzusehen.

Was passiert eigentlich beim Schütteln?

Der Kopf eines Babys ist im Vergleich zu seinem Körper recht groß und vor allem schwer, die Halsmuskulatur allerdings noch nicht gut genug ausgeprägt, um einem Schütteln standzuhalten.

Beim Schütteln des Babys fällt der Kopf schmerzhaft vor und zurück, zugleich entstehen starke Beschleunigungs- und Abbremskräfte, was die Blutgefäße der Hirnhäute nicht aushalten und demzufolge einreißen. Die Folge: Blutungen, die direkt unter der Schädeldecke auftreten. Zugleich kommt es auch oft zu Blutergüssen im Rückenmark. Die größte Schädigung entsteht im Nacken des Babys, wo sich die Nervenzellen befinden, die die Atmung regeln. Das bedeutet, dass Schütteln zu längeren Atemaussetzern und somit wiederum zu schweren Hirnschäden führen kann. Sogar hinter den Augen kann es zu Blutungen kommen.

Hamburger Abendblatt: Stuttgarts “Shaken Baby” trägt ein rosa Shirt. Mit der Puppe aus dem Simulationszentrum des Klinikums lassen sich die Auswirkungen des Schüttelns demonstrieren.

schütteltrauma
Foto: dpa

Wohin mit der Wut?

Das heißt im Klartext: auch wenn euch noch so sehr danach zumute ist, euer Baby zu schütteln, damit es endlich zur Ruhe kommt – lasst es bleiben! Die Folgen, die dadurch entstehen, sind weitaus schlimmer als ein Baby, was für den Moment nicht zu beruhigen ist. Sie können euch und euer Kind das ganze Leben lang verfolgen. Schmeißt stattdessen ein Kissen an die Wand, holt euch einen Boxsack, schreit eure Wut hinaus – aber lässt euer Kind in Ruhe, beziehungsweise in dem Fall – lasst es lieber schreien, als dass ihr es schüttelt.

Manchmal hilft es, das schreiende Baby in seinem Bettchen zurückzulassen und aus dem Raum zu gehen. Nehmt euch, auch wenn ihr alleine seid und nicht mehr ein und aus wisst, eine kurze Auszeit. Baby wird deutlich weniger Schaden davontragen, wenn es ein paar Minuten alleine schreien muss als wenn ihr es schüttelt! Geht an die frische Luft, zählt auf zehn oder auch auf hundert. Lauft einmal um den Block. Dann sieht die Welt meistens schon wieder ganz anders aus. Oder ruft eine Nachbarin, eine Freundin oder eine andere Vertrauensperson zu Hilfe, falls euer Partner nicht greifbar. Alles ist besser als schütteln!

Und haltet euch an dem Gedanken fest: kein Baby schreit jahrelang. Irgendwann hört dieses Phänomen auf – ganz sicher!

Wenn euer Partner in der Nähe ist: wechselt euch in der überaus stressigen Zeit einfach mit der Betreuung ab. Ihr müsst nicht beide ständig um euer schreiendes Baby herum sein! Einer versucht, es zu trösten, der andere bekommt ein paar Minuten Auszeit. Denn das Problem, welches hinzukommt, ist, dass euer Baby es ganz genau spürt, wenn ihr mit den Nerven am Ende seid. Es reagiert dann leider darauf mit noch mehr schreien.

Am ehesten können Eltern ihre Kinder beruhigen, die selber die Ruhe bewahren – auch wenn sich das zugegebenermaßen leichter anhört, als es ist.

Seid euch darüber im Klaren, dass ihr überhaupt nicht immer in der Lage sei MÜSST, euer Baby zu beruhigen. Manchmal ist es nämlich einfach nicht möglich. Seid dann aber trotzdem für euer Kind da, damit es spürt, dass es nicht alleine ist mit seinem Kummer. Vielleicht kennt ihr das ja von euch selber: auch ihr habt das eine oder andere Mal einen Kummer, bei dem euch keiner helfen kann, bei dem es sich aber trotzdem gut anfühlt, wenn jemand da ist und euch tröstet oder einfach nur im Arm hält.

Schrei-Ambulanz

Wenn gar nichts mehr zu helfen scheint und ihr merkt, dass sich möglicherweise eine Katastrophe anbahnt, weil euer Nervenkostüm quasi blank liegt, dann nehmt professionelle Hilfe in Anspruch. Dies könnte zum Beispiel eine Schreiambulanz in einer Kinderklinik sein. Hier bekommt ihr von Fachleuten Unterstützung. Sie geben euch Tipps, wie ihr mit eurem schreienden Baby am besten umgeht – und natürlich auch mit der damit verbundenen Unsicherheit, der Wut und dem Frust.

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